Canon EOS M3 im Test – Revolution oder Evolution ?

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Als Canon im Jahre 2012 seine erste spiegellose APS-C –Systemkamera auf dem Markt brachte sorgte das in vielen Redaktionen für Spannung und Furore.

Einerseits hatte Canon es mit der M geschafft, Lifestyle, Formfaktor, und Bildqualität zu vereinen, wie es vorher kaum ein Hersteller schaffte. Wäre da andererseits nicht…? … ja, wäre da nicht der in fast jedem Testbericht (ja, auch unserem) attestierte zu langsame Autofokus gewesen. Zwar hatte man knapp ein Jahr nach Verkaufsstart mit der Firmware 2.0.2 deutlich nachgebessert, aber der Klassenprimus wurde  die Kamera mit nun knapp unter 1 Sekunde zum Fokussieren immer noch nicht, wenn auch gleich die Autofokus-Genauigkeit seinesgleichen suchte.
Und obwohl die EOS M2, welche Anfang 2014 in Japan auf den Markt kam, schon viele Feature-Ansätze der nun neuen M3 besaß, schaffte die M2 es niemals bis in die deutschen Läden.

Aber nun wollen wir mal aufhören in der Historie der Canon Systemkameras zu graben, denn vor uns liegt die nagelneue Canon EOS M3. Und schon auf den ersten Blick sieht man viele, viele Neuerungen und auch das äußerliche Erscheinungsbild ist recht deutlich verändert worden.

Canon EOS M3 im Test

Design/Verarbeitung
Während die alte EOS M an eine zu groß geratene Kompaktknipse mit Lifestyle-Faktor erinnerte, hat man die EOS M3 weitaus praktischer ausgelegt. Denn der 366 Gramm (incl. Akku und Speicherkarte) leichte Body hat an den richtigen Stellen Ausformungen erhalten, sodass die Kamera viel sicherer in der Hand liegt. Ähnlich einer Powershot G1 X gibt es nun eine ordentliche Fingerablage auf der Front und auch auf der Rückseite gibt es über den Bedienelementen eine Ausformung für den Daumen. Diese Ausformungen wurden konsequent mit einem sehr griffigen Gummi versehen, sodass sich die Kamera auch mit einem montiertem EF oder EF-S -Objektiv noch sicher halten lässt.

Canon EOS M3 im Test

Auch neu ist der Klappbare 3“ Touchscreen, welcher sich mit stattlichen 1,04 Mio. Pixeln im 3:2-Format um 180 Grad nach oben kippen und um 45 Grad nach unten kippen lässt. Wenn auch gleich wir uns eine etwas robustere Ausführung dieses Mechanismus gewünscht hätten, hatten wir während unseres mehrwöchigen Tests keinerlei Probleme damit.

Canon EOS M3 im Test

Neu, gegenüber der EOS M(1) ist, dass dank integriertem Klappblitz nun kein externes Speedlight-Blitzgerät mehr benötigt wird. Ein sinnvolles Feature finden wir.
Ebenfalls neu an Bord sind die Bedienelemente oben auf der Kamera. Denn während man sich bei der M(1) lediglich mit einem An/Aus-Schalter und minimalistischem Modi-Wahlrad (Full Auto/Foto/Video) begnügen musste, ist bei der M3 hier vieles besser geworden.
Die M3 besitzt nun auf der Oberseite ein voll-bestücktes Modi-Wahlrad, An/Aus-Schalter, Belichtungskorrektur (+3/-3 EV in 1/3-Schritten), M-Fn (Multifunktionstaste), Hauptwahlrad und den Auslöser. Die Bedienelemente der Belichtungskorrektur und des Modi-Wahlrads könnten unserer Meinung nach etwas leichtgängiger sein, denn dadurch, dass diese Elemente vollständig im Gehäuse versenkt sind ist es manchmal doch recht schwer Diese zu bedienen. Andererseits beugt genau das auch einer ungewollten Bedienung vor. Das ist also Geschmackssache.

Canon EOS M3 im Test

Das Gehäuse selbst besteht aus einer hochwertigen und bestens verarbeiteten Magnesium-Legierung. Hier kann sich so mancher Mitbewerber einmal eine Scheibe von abschneiden.

Lieferumfang
Die EOS M3 wurde uns im Kit (schwarz incl. Kit-Linse), also mit dem EF-M 18-55 mm IS STM geliefert. Derzeit ist es auch die einzige Kombination in der es die Kamera zu kaufen gibt. Wir gehen aber stark davon aus, dass noch andersfarbige Modelle und Linsen-Kombinationen folgen werden.

Canon EOS M3 im Test

Ansonsten enthält der Karton alles was man so zum Starten braucht:

  • Handbücher
  • Ladegerät incl. Kabel
  • Akku LP-E17 – 7,2V -1040mAh
  • Kameragurt
  • USB-Kabel

Bedienung
In Sachen Bedienung hat sich seit der ersten Generation der M wohl am meisten getan. Wie ihr bereits gelesen habt, gibt es nun für viele Funktionen ein eigenes Wahlrad und somit einen zeitsparenden Direktzugriff. Ansonsten Lässt sich die EOS M3 weiterhin wunderbar, gut strukturiert und logisch aufgebaut über den Touchscreen bedienen.
Im Alltag ist die Kamera gerade für DSLR-Umsteiger nun absolut intuitiv und schnell bedienbar.

Wir als „Spiegelreflex-Denker“ haben die Kamera die erste Zeit unbewusst zu jeder Motivsuche an das Auge geführt um dann festzustellen, dass der Sucher fehlt und das Bild am Monitor komponiert werden muss.
Die Möglichkeit einen Aufstecksucher zu nutzen lohnt sich absolut. Dieser ist wirklich praktisch und verfügt über ein klares, helles, großes Sucherbild mit allen notwendigen Informationen. Für bodennahe Arbeiten z.B. ist dieser sogar senkrecht nach oben klappbar.

Durch die App (iOS und Android) „Canon Camera Connect“ könnt ihr eure M3 direkt mit einem Smartphone verbinden und auf die Inhalte der Speicherkarte zugreifen (und auf das Handy übertragen) und die Kamera komplett (recht verzögerungsfrei) fernsteuern. Somit gibt es auch nie wieder Probleme mit dem vergessenen Fernauslöser oder dem Finden des richtigen Bildausschnitts bei Gruppenfotos. Eine sehr sinnvolle App, welche performant ist und gut funktioniert (Auf einem iOS-Device getestet)

Gerade Fotografie-Einsteigern sei die Canon EOS-Begleiter-App (iOS und Android) ans ebenfalls Herz gelegt. Diese bringt euch direkt auf eure Kamera bezogen die Fotografie-Basics spielend bei. Zudem kann man sich durch wunderschön ausgearbeitete City-Guides und eine Foto-Challenge zu neuen Motiven sehr gut inspirieren lassen.
Einen dieser City Guides haben wir gemeinsam mit WORLDTRAVLR.NET auf dem Canon-Workshop im wunderschönen Berlin ausprobiert.

Features | Bild-/Videoqualität
In der EOS M3 ist der identische 24,2 MP CMOS-Sensor im APS-C-Format mit einem ISO-Bereich von 100- 28.800 verbaut, wie auch in der 750D & 760D. Dieser Sensor verfügt nun über den Hybrid CMOS AF III und eine Optimierung im „Low-Light“-Bereich. Die neuste Generation des Hybrid AF aus dem Hause Canon, welcher Gesichtserkennung- und Nachführ-AF, FlexiZone-Multi, FlexiZone-Single –Autofokus Funktionen mit sich bringt. Im Alltag und gerade für die Klientel der Street-Fotografen ist der neue AF wirklich sein Geld wert. Gefühlt liegen zwischen dem AF der EOS M(1) und der M3 Welten. Was natürlich dem Umstand geschuldet ist, dass die M(1) lediglich über einen kontrastbasierten AF verfügt.

Canon EOS M3 im Test

Der Hybrid AF ist, wie der Name schon sagt eine Mischung aus Kontrast-AF und Phasen-AF. Er Erreicht nicht ganz Geschwindigkeit wie der Canon Dual Pixel AF (EOS 7D Mark2) und auch ein leichtes „pumpen“ beim scharfstellen ist noch wahrnehmbar. Aber wie gesagt der neue Hybrid AF ist immer noch um Welten Schneller als jeder Kontrast-AF. Der Autofokusbereich deckt 80% des Bildes ab (Höhe und Breite).

Gepaart mit dem DIGIC 6 Prozessor, welcher in der „Dual-Variante“ auch in der 7D Mark2 zum Einsatz kommt erreicht die M3 gute 4,2 Bilder/sec. (1000 Aufnahmen im JPEG-Format und bis 5 Aufnahmen im RAW in direkter Serie möglich).

Ein weiterer Vorteil des Hybrid-AF ist, dass dieser auch wunderbar (gepaart mit STM-Objektiven) im Video-Modus funktioniert. Die M3 zeichnet Video bis zu einer Full-HD-Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln bei 29,97, 25 und 23,976 Bildern/s im MP4-Format auf.  Der AF hat sich hier als überaus hilfreich und zuverlässig gezeigt. Denn auch mit einem ein sporadischem Hindernis im Bild behält die Kamera den Fokus da, wo er bleiben sollte.

Für die Fotografie-Kollegen die auch Spaß am manuellen Fokussieren haben bietet die Canon EOS M3 endlich das so genannte „Fokus Peaking“ bei dem Schärfebereiche eine farbige (Farbe Auswählbar) Kontur im optionalen Sucher oder dem LC-Display erhalten. Auch die Implementierung dieses Features zeigt deutlich, dass man sehr wohl auf seine Kundenwünsche hört. Für mich mit das beste Feature der M3.

Die Bildqualität welche die EOS M3 „Out-of-Cam“ bietet ist überdurchschnittlich und zeigt erneut deutlich, dass der technologische Fortschritt im APS-C-Markt noch lange nicht angehalten hat. So hat Canon es geschafft 24,2 Megapixel auf den APS-C-Sensor zu zaubern, ohne dabei im Vergleich zu den 18 Megapixeln der alten EOS M bei wenig Licht an Qualität zu verlieren. Auch wenn wir generell immer noch lieber weniger Megapixel sehen und dafür eine bessere Low-Light-Qualität sehen würden attestieren wir der M3 einen problemlosen Einsatzbereich bis hin zu ISO 3.200. Zwar fängt auch die EOS M3 ab ISO 1.600 an ganz marginal zu rauschen, aber davon würde man selbst bei einem A3-Druck oder größer nichts sehen.

Das EF-M 18-55 mm IS STM Objektiv gehört auf jeden Fall auch nochmal positiv erwähnt, denn es gehört definitiv zu einem der wirklich guten Kit-Scherben … ähm Linsen! Die Linse überzeugt durch seinen schnellen STM-Autofokus, welcher auch auf Videos keine Geräusche hinterlässt. Zudem ist das Objektiv selbst bei Offenblende recht scharf und fällt nur zum Rand hin leicht ab. Der Bildstabilisator (IS) arbeitet wie man es von Canon-Objektiven her kennt sehr gut, sodass hier ohne weiteres 3 Blendenstufen bei 55mm rauszuholen sind.

Das Highlight-Objektiv für die Kamera ist für uns jedoch das Canon EF-M 22mm 1:2 STM Pancake-Objektiv, welches wir auf dem Canon-Workshop testen durften. Es überzeugt nicht nur durch sein Fliegengewicht von nur knapp 105g sondern erfreut auch Low-Light-Fotografen mit seiner großen, lichtstarken Offenblende von F2. Auch macht das 22mm 1:2 STM die M3 zugleich quasi zu einer Kompaktkamera mit APS-C Sensor und überragender Bildqualität. Warum Canon sich damit so ewig Zeit damit gelassen hat, (ordentliche) Pancake-Objektive auf den Markt zu bringen, fragen wir uns in Anbetracht der verdammt guten Abbildungsleistung mit und ohne Relation zum Maßstab ehrlich. Eine absolut empfehlenswerte Linse. Hochwertig verarbeitet und „rattenscharf“ mit einem schönen Bokeh (7 Blendenlamellen).

Einsatzbereich
Es fällt wirklich schwer einen definierten Einsatzbereich für einen solchen TOP-Allrounder zu beschreiben. Denn die EOS M3 fühlt sich mit den richtigen Linsen in jedem Terrain wohl.

Denn die M3 beherrscht alle essenziellen Features, welche eine gute Kamera ausmachen. Ganz klar ist eine so kompakte Kamera auch immer mit Kompromissen verbunden, aber wer auf den Formfaktor, das Gewicht, die allgemeine Bild- und Verarbeitungs- Qualität wert legt, ist mit der Canon EOS M3 goldrichtig ausgestattet.

Auch eignet sich die M3 besonders als z.B. Zweit-Body, falls man mal nicht so viel schleppen möchte… . Dann vorzugsweise mit einer Pancake-Linse oder einer leichten EF-Festbrennweite, welche die M3 zu einer Kompaktkamera mit DSLR-Qualitätsniveau macht. Das gefällt sehr.

Beispielbilder incl 100% Crop’s

Fazit
Nahezu alles, wir, andere Redaktionen und die Kunden an der M(1) bemängelt haben wurde bei der EOS M3 deutlich verbessert oder als Feature hinzugefügt.
Canon hört auf seine Kunden, wenn auch gleich man immer noch deutlich merkt, dass man sich auf dem spiegellosen Markt noch nicht ganz heimisch fühlt, geht mit der M3 ein grundsolides Produkt mit tollen Features in den Markt.
Die Verarbeitungsqualität und die Bildqualität sind über alle Zweifel erhaben und da der Autofokus nun zeitgemäß schnell und zugleich akkurat funktioniert ist die M3 in meinen Augen Canons erste wirklich ernstzunehmende Spiegellose Systemkamera. Zum derzeit gültigen Marktpreis von rund 630 EUR incl. EF-M 18-55 mm IS STM Objektiv muss sich die M3 auch keineswegs hinter den zumeist schlechter verarbeiteten Mittbewerbern verstecken.

Solltet ihr also derzeit auf der Suche nach einer Spiegellosen Alternative für eure altgediente APS-C DSLR sein, lohnt sich der Blick auf die M3 in jedem Fall.

Besonders, dann wenn ihr bereits im Besitz von Canon EF und/oder EF-S Objektiven seid, welche ihr mittels Canon Adapter ohne Funktionsverlust an der M3 weiter betreiben könnt.
Für DSLR-Umsteiger empfehlen wir zudem den wirklich guten elektrischen Aufsteck-Sucher, welcher euch im Alltag den Umstieg dann doch drastisch vereinfachen wird.

Vielen Dank an Canon Deutschland GmbH für Bereitstellung eines Leihgeräts.

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