Der neue Audi A4 – Ein fahrendes Hindernis? – Fahrerassistenzsysteme im Test

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Vor knapp zwei Wochen hatten wir die Gelegenheit den neuen Audi A4 rund um Marseille zu testen. Die Fahrzeit beschränkte sich allerdings nur auf rund eine Stunde für mich, sodass ich nur einen kurzen oberflächlichen Fahreindruck vermitteln kann. Im Speziellen soll es in diesem Bericht auch nur um die Fahrerassistenzsysteme gehen.

Zunächst möchte ich euch noch kurz einen Überblick über die Systeme geben, die Audi dem/der neuen A4 Avant/Limousine spendiert hat. Audi hat vieles davon aus der Oberklasse, wie bspw. dem neuen Q7 übernommen. Im Vergleich zur Konkurrenz bietet Audi aktuell das umfangreichste Fahrerassistenzportfolio an.

Assistenzpaket Parken (Aufpreis 1.750 Euro)

  • Umgebungskameras
  • Parkassistent

Assistenzpaket Stadt (Aufpreis 1.490 Euro)

  • Ausstiegswarnung
  • Querverkehrassistent hinten
  • Audi side assist
  • Audi pre sense rear inklusive Audi pre sense basic
  • Einparkhilfe plus
  • Rückfahrkamera

Assistenzpaket Tour (Aufpreis 1.640 Euro)

  • adaptive cruise control
  • Stauassistent
  • prädiktiver Effizienzassistent
  • Audi pre sense city
  • Audi pre sense front
  • Ausweichassistent
  • Abbiegeassistent
  • kamerabasierende Verkehrszeichenerkennung
  • Fernlichtassistent
  • Audi active lane assist

Assistenzpaket Stadt mit Assistenzpaket Parken (Aufpreis 2.340 Euro)

Die Pakete fassen insgesamt fast alle Fahrerassistenzsysteme zusammen. In der Serienausstattung enthalten sind folgende Systeme:

  • Einstellbarer Geschwindigkeitsbegrenzer (Limiter)
  • Audi pre sense city (Notbremsfunktion in der Stadt bis 85 km/h)

Den kompletten Umfang aller Assistenzsysteme mit Beschreibung findet ihr im Konfigurator oder in der Preisliste (Stand 28.10.15).

Der Ausstattungsumfang zeigt deutlich den Weg in Richtung autonomes Fahren, denn, bestellt man sich alle Systeme, kann man beinahe schon gedankenlos durch die Gegend fahren. Doch leider suggerieren einem diese Systeme nur diese Sicherheit. In meinem kurzen Test zumindest fand ich einige Dinge bedenklich.

Darunter vor allem auch der Prädiktive Effizienzassistent. Was macht er genau?

„In Verbindung mit MMI Navigation oder MMI Navigation plus mit MMI touch nutzt die adaptive cruise control zudem die Daten des Prädiktiven Effizienzassistenten für eine vorausschauende und adaptive Regelung der Geschwindigkeit auch ohne vorausfahrendes Fahrzeug. Dazu nutzt das System die in den Navigationsdaten hinterlegten Informationen zu Kurvenradien (Kurvenassistent), Ortseingängen und Geschwindigkeitsbegrenzungen (Tempolimitassistent). Unterstützt wird das System durch die Informationen der ebenfalls enthaltenen kamerabasierten Verkehrszeichenerkennung. Der Prädiktive Effizienzassistent steuert zudem gezielt Motorschub- und Segelphasen und fördert so eine kraftstoffsparende Fahrweise, auch im ACC-Betrieb.“

Während der Fahrt hat sich dieser Assistent als echtes Verkehrshindernis herausgestellt, denn er beobachtet nur den vorderen Verkehr, aber nicht den rückwärtigen. Und bei solchen Fahreingriffen sollte man in meinen Augen auch immer den rückwärtigen Verkehr beachten. So erkannte das Fahrzeug bspw. auf der Autobahn ein 30er Schild der Nebenfahrbahn und bremste munter von 120 km/h herunter. Falls jemand hinter einem nicht ganz aufmerksam ist und diese Bremsung auch völlig unerwartet kommt, kann so schnell ein Auffahrunfall provoziert werden. Sollte also rein bei einer Tempolimitbremsung ein rückwärtiger Auffahrunfall vermeidbar sein, so sollte man dies auch beachten. Ebenso bremst das System vor Kurven etc. automatisch ab und verringerte auf der Autobahn die Geschwindigkeit um gut 20 km/h. Eine wütende Schlange bildete sich hinter mir und rechts überholten mich die zuvor überholten Autos.

Gut gelungen ist der neue Stauassistent. Aber auch hier gibt es Einschränkungen im Detail. Hier zunächst die Beschreibung:

„In Fahrzeugen mit S tronic oder tiptronic unterstützt der Stauassistent den Fahrer im Regelbereich von 0 bis 65 km/h bei der Lenkarbeit. Das System erkennt im Rahmen von Systemgrenzen Fahrspurmarkierungen, Randbebauungen, Fahrzeuge auf Nebenspuren sowie mehrere vorausfahrende Fahrzeuge. Aus diesen Informationen leitet das System einen virtuellen Fahrschlauch ab und führt das Fahrzeug in diesem. Durch die Vielzahl der einbezogenen Parameter bietet der Stauassistent ein möglichst komfortables und natürliches Fahren in Stausituationen. Oberhalb von 65 km/h unterstützt der Audi active lane assist den Fahrer bei der Spurhaltung.“

Schon im ersten Satz wird es deutlich. Das System unterstützt den Fahrer nur beim Lenken. In Kombination mit der adaptive cruise control mit Stop&Go-Funktion wird das Fahrzeug auch beschleunigt und abgebremst. Allerdings nur bis zu 3 Sekunden Stillstand, ab dann muss der Fahrer wieder mit einem Antippen des Gaspedals den Vorschub aktivieren. Ein komplett autonomes Fahren in Stausituationen wäre besser.

Sehr gut gelungen finde ich die beiden Assistenzpakte Parken & Stadt. Ich geb’s zu. Ich bin ein schlechter Parker. Aber mit der guten 360° Rundumsicht (Kamera) und der Rückfahrkamera und den Sensoren wird Parken zu einem Kinderspiel. Die Auflösung der Kameras ist sehr gut. Die Features an sich gibt es ja schon länger, auch in weitaus günstigeren Fahrzeugen. Aber oft ist hier die Bildqualität schlecht und die Verzeichnung der 360° Ansicht unbrauchbar.

Als extrem praktische Hilfe sehe ich auch den Querverkehrsassitenten hinten, der beim Ausparken aus Querlücken unterstützt.

„Der Querverkehrassistent hinten unterstützt den Fahrer beim Rückwärtsausparken aus Querparklücken. Das System informiert den Fahrer über erkannte herannahende Fahrzeuge durch eine Anzeige im MMI-Display und kann in als besonders kritisch erkannten Situationen zusätzlich durch einen Warnton und gegebenenfalls Bremsruck warnen.“

Unser Fazit

Audi bietet im neuen A4 das größte Portfolio aller Assistenzsysteme in seiner Klasse. Leider zeigten sich in der Praxis nicht alle Systeme als Alltagstauglich. Um wirklich mit den Systemen vernünftig fahren zu können, müssten alle Fahrzeuge damit ausgestattet sein und untereinander vernetzt sein. Ich hatte unzählige Fahrsituationen, in denen das Fahrzeugt unnötig abgebremst hat, die potentiell eher zu Gefahrensituationen führen und auch ein flüssiges Fahren im Verkehr unterbinden.

Zudem vermitteln die Systeme einen gewissen Schutz, der aber gleichzeitig auch zu Unachtsamkeit führt (das Auto macht ja schon alles für einen). Aber an sich sollte der Mensch immer noch Herr über das Auto sein und in jedem Moment die Fahrsituation selbst bewerten können. Vieles ist halt einfach Erfahrungssache und lässt sich nicht durch einen Computer abbilden.

Was ich mir wünsche wäre bspw. der vollautomatischer Stauassistent. Mehr nicht. Ansonsten würde ich mir folgende Dinge konfigurieren:

  • Assistenzpaket Stadt mit Assistenzpaket Parken (Aufpreis 2.340 Euro)
  • Geschwindigkeitsregelanlage (Aufpreis 300 Euro)

Fahrberichte zum neuen Audi A4 Avant/Limousine findet ihr bei den Blogkollegen von

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