Test | Canon EOS M – Lifestylekamera in schönem Gewand

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Canon EOS M. Bereits vor kurzem hatte ich vom Canon Event in Hamburg berichtet. Den letzten Monat konnte ich die Kamera nun noch einmal ausführlich testen und mich mit den Funktionen genauer vertraut machen. Nachdem Nikon mit seiner 1 Serie bereits in der zweiten Generation gestartet ist, ist die EOS M die erste spiegellose Systemkamera von Canon. Jedoch hat Canon mit der EOS M einiges mehr richtig gemacht als Nikon. Allem voran der verbaute APS-C Sensor kann mit einer hervorragenden Bildqualität punkten, wohingegen das Nikon Eigengewächs CX, das nochmal ca. die hälfte kleiner ist als ein Micro-Four-Thirds Sensor, an Boden verliert.

Design/Verarbeitung
Platzieren möchte sich Canon mit der Kamera im Lifestyle Premium Segment. Dies ist ihnen denke ich auch gelungen, denn Design und Haptik sprechen für sich. Das Gehäuse, welches in den Farben rot, silber, schwarz und weiß angeboten wird, ist hochwertig verarbeitet und auch das Objektiv ist sehr solide in der Ausführung. Die Ringe für Fokus und Schärfe sind sehr griffig und lassen sich gut drehen. Insgesamt ist die EOS M sehr schön anzuschauen und ein wahrer Blickfang. Hält man eine DSLR Kamera daneben wirkt diese wie ein Relikt aus der Steinzeit und sehr unsexy.

Aufwerten kann man das Aussehen der Kamera zudem noch mit einer Bereitschaftstasche bzw. Gehäusetasch EH23-CJ. Diese ist ebenfalls in vier Farben (schwarz, weiß, braun, rot) erhältlich und gibt dem ganzen einen modernen Retrolook. Die Kombination aus weißer Kamera mit braun/cognac-farbener Tasche hat mir am besten gefallen. Um die Sache abzurunden gibt es den Umhängegurt EM-E1 auch noch in den oben genannten Farben extra zu kaufen sowie eine Handschlaufe ER-E1. Damit ist man für Bereitschaftstasche und Gurt nochmal eben rund 100 Euro los. Hier wird also auch das versprechen Lifestyle Premium eingehalten.

Lieferumfang/Objektive
In Deutschland wird aktuell nur die Variante mit dem 18-55mm Objektiv vertrieben. Schaut man jedoch in die Glaskugel wird es vermutlich auch bald ein Kit mit dem 22mm Pancake Objektiv geben. Dies sind die beiden Objektive, die zum Marktstart der EOS M verfügbar sind und extra hierfür entwickelt wurden. Über einen Adapterring kann man allerdings das gesamte Canon Portfolio an Objektiven erschließen und seine EF bzw. EF-S Objektive nutzen. Sicherlich interessant für jene, die bereits eine EOS besitzt aber auf der Suche nach einem kleinen, schicken und leichten Zweitbody sind.

Jemand, der sich die Kamera unter dem Aspekt „Lifestyle“ kauft, wird auf solch einen Adapter aber wohl eher nicht zurückgreifen. Denn ein dickes L-Objektiv mit Adapter davor macht das Design eher wieder zunichte.

Lieferumfang/Blitz
Enthalten ist ein Speedlite 90EX, welches denke ich für die meisten vollkommen ausreichen wird und wesentlich stärker ist als ein normaler integrierter Blitz. Allerdings bin ich kein wirklicher Freund von Blitzfotos, sodass dieser auch während des Tests daheim blieb. Wer allerdings öfters einen Blitz benötigt dem würde ich das Speedlite 270EX II empfehlen. Hier kann man den Reflektor schwenken und somit indirekt Blitzen. Somit bekommt man ein natürlicheres und gleichmäßig ausgeleuchtetes Bild hin, als wenn man frontal, wie mit dem mitgelieferten Blitz, fotografiert. Zudem kann man einen Schwenkblitz besser einsetzten um sein Motiv kreativ in Szene zu setzet.

Auch hier haben Besitzer eines EOS-Systems einen Vorteil, denn die EOS M hat einen normalen Hot Shoe und ist somit kompatibel zu allen Speedlites.

Bedienung
Die Bedienung erfolgt intuitiv über das 3 Zoll Touchdisplay. Sowohl Umsteiger von einer PowerShot oder Besitzer einer EOS finden sich hier schnell zurecht. Alle Parameter lassen sich leicht verstellen und ich als alter Nikon Besitzer habe mich schnell zurecht gefunden. Sicherlich geht die Verstellung der verschiedenen Parameter an der DSLR etwas schneller als hier. So dreht man dort bspw. für die Verstellung der Blende oder der Zeit nur an einem Rad und hier muss man zweimal drücken. Solche Einschränkungen wird man aber immer haben, wenn man das Gehäuse schmal und schick halten will, denn es ist kaum größer als das der Canon PowerShot S110.

Über ein Quick Menü, was die PowerShot Fraktion kennen dürfte, kann man wichtige Dinge wie Autofokus, Weißabglich oder Belichtung einstellen. Wer mehrmals auf die INFO Taste drückt gelangt auch zu dem aus der EOS bekannten Schnellmenü. Insgesamt vereint die EOS M also das Beste der beiden Welten mit einer kinderleichten Bedienung, die auch für einen Laien leicht verständlich und erlernbar ist.

Ausstattung
Die Kamera verfügt über drei Modi: Automatische Motiverkennung, Fotomodus, Filmmodus. Alle Funktionen habe ich hier nicht getestet sondern primär Manuell, Zeit- oder Blendenautomatik genutzt. Bei einem Antesten hat die Kamera aber durchweg immer die richtige Motivauswahl angezeigt. Wenn man noch nicht so erfahren ist bzw. von einer kleinen Kamera umsteigt, dem helfen die Motivprogramme sicherlich. Denn hier werden Einstellungen wie Verschlusszeit, Blende oder Farbkorrektur vorgenommen, um die richtige Bildwirkung zu erzielen und das Bild professioneller erscheinen zu lassen.

Zudem gibt es einen HDR Modus für Kontrastreiche Bilder sowie einen Nachtaufnahmemodus, der ebenfalls mehrere Bilder miteinander kombiniert. Vorteil bei diesen beiden Varianten ist auch, dass die Kamera die Bilder nicht einfach aufeinanderlegt sondern nach Motiverkennung diese passend übereinander legt und somit leichte Verwacklungen ausgleicht. Wer sich austoben will kann zusätzlich noch aus verschiedenen Kreativfiltern wie Miniatureffekt, Spiegzeugkamera, Fischauge, etc. auswählen.

Neben dem bereits angesprochen APS-C Sensor mit 18MP bietet die Kamera zudem noch eine sehr gute Lichtempfindlichkeit bis ISO 12.800, im Spezialmodus sogar bis ISO 25.600.

Der Videomodus ist, wie für Canon üblich, hervorragend und der Konkurrenz voraus. Die Videoparameter lassen sich ebenfalls manuell, auch während der Aufnahme, verstellen. Das interne Mikrofon ist etwas blechern, jedoch bietet die EOS M die Möglichkeit ein externes Mikrofon anzuschließen, was man beim ernsthaften Filmen wieso tuen sollte. Auch hier lässt sich der Ton manuell aussteuern.

Bildqualität
Das Testshooting über Weihnachten stand unter keinem guten Stern. Wie bereits bei der Fotosession in Hamburg, regnete es auch diesmal. Aber dennoch konnte mich die EOS M in Sachen Bildqualität überzeugen. Die Fotos sind gestochen scharf und auch, wenn das Objektiv nur eine Blende von 3,5 hat, konnte man hiermit, aufgrund des großen Sensors, wunderbar mit der Unschärfe spielen.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden damit und auch das mitgelieferte Objektiv passt hervorragend zur Kamera und muss sich nicht hinter den großen Linsen verstecken. Lediglich im Makrobereich kann die Kamera mit einer Naheistellgrenze von 25cm nicht mithalten.

Auch in dunklen Situationen kann die Kamera überzeugen und erzeugt bis ISO 3.200 noch sehr gut verwendbare Fotos. Darüber hinaus nimmt das Rauschen stärker zu. Allerdings kann man dies durch die interne Rauschreduzierung kompensieren, was sich dann in den JPGs durch eine Weichzeichnung der Bereiche bemerkbar macht.

Eine Auswahl meiner Testfotos findet ihr in voller Auflösung auf Flickr. Diese sind unbearbeitet und direkt so aus der Kamera. Lediglich die interne Vignettierungs- und Farbfehlerkorrektur war aktiviert.

Mit ein paar Handgriffen kann man aus den RAW Dateien noch das ganze Potential der Kamera ausschöpfen. Hier ein paar der obigen Bilder bearbeitet.

Das Negative
Eigentlich gibt es an dieser Kamera ja nicht viel auszusetzten. Allerdings gibt es eine Sache, die ich nicht verheimlichen will und wodurch sich auch die Nutzbarkeit der Kamera einschränkt. Im Vergleich zur Konkurrenz von Olympus OMD oder Sony NEX der vergleichsweise sehr langsame Autofokus. Mitunter dauert das fokussieren mit der EOS M bis zu 2sec. In der Zeit hat man mit der OMD schon drei scharf fokussiere Bilder gemacht. Ein solch langsamer Autofokus ist einfach nicht mehr zeitgemäß und wird der Kamera nicht gerecht.

Auch der Nachverfolgungs-Autofokus macht in dieser Kombination wenig Sinn. Denn bis die EOS M das Motiv scharfgestellt hat, ist das Motiv meist schon aus dem Bild verschwunden. Hier sollte Canon definitiv Nachbessern, denn das kann die Konkurrenz um Längen besser. Gegebenenfalls lässt sich dieser Fehler ja nachträglich durch ein Firmwareupdate beheben. Allerdings muss ich die Kamera nun wieder abgeben und im Verlauf nicht weiter testen. Sofern sich in dieser Hinsicht jedoch etwas ergeben sollte, werde ich euch es wissen lassen.

Ebenfalls dauert es etwas lange, bis die Kamera gestartet und Einsatzbereit ist.

Nice-to-have
Für eine Lifestylekamera dieser Art hätte ich mir noch etwas mehr Multimedia gewünscht. Gerade auch im Hinblick wenn ich mir das Prospekt und den Werbefilm anschaue und hier als Testimonial ein Blogger genommen wird. Warum hat die Kamera kein W-LAN? Schaue ich bspw. die Canon PowerShot S110 an, hat diese bereits ein integriertes W-LAN Modul. Befindet man sich in einem Netzwerk kann man direkt Bilder oder Videos der Kamera auf soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder YouTube laden oder per Mail versenden. Gerade für einen Blogger doch auch ideal. Zudem lassen sich in Kombination mit einem Smartphone die Bilder geotaggen.

Eine hoffentlich kommende Canon EOS M Mark II mit verbessertem Autofokus sollte dann auf jeden Fall auch ein W-LAN Modul besitzen.

Einsatzbereich
Durch den Mangel des Autofokus schränkt sich der Einsatzbereich merklich ein. Besonders gut eigenen tut sich die Kamera vor allem für Landschaft und Architektur sowie Portraits (außer von Kindern). Weniger geeignet für Schnappschüsse oder sich bewegende Motive. Eigentlich wäre die EOS M auch eine schöne Kamera für Street Photography. Ich hoffe ernsthaft, man bekommt das „Problem“ in den Griff, denn dann wäre die EOS M auch eine ernste Überlegung für mich. Ansonsten bleibt die Weiterentwicklung abzuwarten.

Fazit
In Punkto Design und Qualität hat Canon für mich hier einen Volltreffer gelandet, der perfekt in das Lifestyle Premium Segment passt. Die Kamera ist hochwertig verarbeitet und bietet hervorragende Bildqualität. Sie ist eine DSLR im Handtaschenformat.

Das einzige wirkliche Manko ist der langsame Autofokus, der so gar nicht zeitgemäß ist. Wer allerdings vorab weiß, dass er primär Landschaft und Architektur fotografieren möchte, kann bedenkenlos zugreifen. Wer den schnellen Schnappschuss machen möchte sollte allerdings erst einmal die Finger davon lassen, solange noch kein neues Firmwareupdate verfügbar ist.

Natürlich will ich euch auch nicht nur meinen Test hier zeigen. Auch Ben und Thomas aka Tom hatten die Kamera noch ein paar Tage länger zum Testen und beleuchten auch andere Aspekte, die ich wiederum ausgelassen habe.

Alternativen: Sony NEX, Olympus OMD

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9 comments

  1. Canon EOS M2 | IMAEDIA 26 Januar, 2014 at 18:24 Reply

    […] wann sie in Europa erscheinen wird ist noch unbekannt. Die rede ist von der neuen Canon EOS M2. Die EOS M war ein durchaus beliebtes Modell in Deutschland, mit dessen Erfolg Canon zunächst gar nicht […]

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