Gigaset camera im Test

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Gigaset camera. Wie bereits berichtet, testen wir aktuell das Gigaset elements System unter dem Aspekt der Hausüberwachung. Eigentlich hatten wir geplant nur einen Artikel zu veröffentlichen, aber da uns die Kamera sehr lange aufgehalten hat, möchten wir dieser doch einen eigenständigen Beitrag widmen.

Einrichtung

Warum kein WPS? Die normale Einrichtung der elements Sensoren geht eigentlich per Knopfdruck und automatischer Koppelung an die Basisstation. Die Kamera wird nicht über die Basisstation verbunden, sondern per W-LAN über den Router. Schließlich müssen ja auch größere Datenmengen ins Internet übertragen werden und nicht nur der Zustand offen/geschlossen wie bspw. bei der Tür oder einem Fenster übermittelt werden.

Allerdings steckt hier der Teufel im Detail, denn für die Einrichtung wird ein Router mit freiem Netzwerkanschluss benötigt. Erst dann bekommt man die Möglichkeit das W-LAN Netzwerk auszuwählen. Für mich zu umständlich und nicht mehr zeitgemäß. Andere Hersteller zeigen, dass es anders/besser geht. So wäre ein Setup per WPS denkbar oder die Verbindung per Ad-hoc Netzwerk.

Empfangsqualität

Hat man es einmal geschafft die Kamera mit dem Router per W-LAN zu verbinden kommt schnell die Ernüchterung. Die Kamera hat eine W-LAN Reichweite von quasi nicht vorhanden. Wir haben die Kamera in 10m Luftlinie vom Router entfernt aufgebaut und das W-LAN Signal reicht bis hierhin einfach nicht mehr aus, während ich mit anderen mobilen Endgeräten etwa 3/4 der Signalstärke habe. Damit ist der Aktionsradius der Kamera sehr eingeschränkt und bei unserer Installation blieb nichts anders übrig als die Kameras direkt per LAN anzuschließen. Um dies zu ermöglichen haben wir zwei Powerline Adapter genutzt, um am entsprechenden Einsatzort auch Ethernet zu haben. Somit hat die Kamera dann auch eine stabile Übertragung, während sie über W-LAN ein paar mal abgebrochen ist.

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Apps/Funktionsumfang

Die Kamera lässt sich zum einen über die Gigaset elements App und zum anderen über die eigenständige Gigaset Camera App verwalten. Neben einem „Live“ Bild kann man hier noch verschiedene Optionen festlegen.

  • Videoqualität HD/SD
  • Mikrofon Ein/Aus
  • Nachtsicht Automatisch/Ein/Aus
  • Bewegungserkennung Aus/Ereignisse/Ereignisse und Aufnahmen
  • Kurzwahl Nummer für den Notfall festlegen

Noch ein paar Worte hierzu. Live in Anführungszeichen, da das Bild mit etwa 12 Sekunden Verzögerung übertragen wird. Das Bild wird nämlich erst per Internet an Gigaset gesendet, von wo ich es dann wieder abrufe. Somit hat man also keine Echtzeitübertragung, sondern immer ein altes Bild. Im Vergleich hierzu war die D-Link Variante fast Live. Es geht also besser.

Zur Bewegungserkennung muss ich sagen, dass ich hier etwas enttäuscht bin über die mangelnde Aufklärung auf der Verpackung. Also die Einstellung Ereignis in der App bezeichnet im Prinzip einen Bewegungssensor. Wird in dem Bild Bewegung erkannt sendet das System eine Warnmeldung. Dies passiert zum Glück auch ohne dauerhafte Videoübertragung an Gigaset. Die Auswertung der Erkennung passiert lokal auf der Kamera, nur das Signal wird dann an Gigaset gesendet und dann ans Smartphone gepusht. Die Bewegungserkennung funktioniert daher auch sehr zeitnah. Also die Verzögerung beträgt hier nur etwa 1 Sekunde, was in Ordnung ist.

Die Variante Ereignisse und Aufnahme erfordert allerdings den Erwerb des Cloud Service von Gigaset, welcher in Verschiedenem Umfang erhältlich ist. Somit sind also essentielle Funktionen nur durch zusätzliche Kosten möglich. Soll also bei Einbruch bspw. ein Beweisvideo aufgezeichnet werden, geht das nur über den Gigaset Cloud Dienst. Hierfür werden 99 Cent pro Monat fällig. Der Einfachheit halber habe ich einfach mal einen Screenshot des Angebotsumfangs gemacht. Rein out oft he box funktioniert nur eine manuelle Aufzeichnung von maximal 30 Sekunden. Frech finde ich an dieser Stelle halt nur, dass es auf der Packung nirgends erwähnt wird.

gigaset_cloud_kosten

Hat man das Paket erworben, erhält man zudem noch eine feinere Einstellmöglichkeit der Bewegungserkennung. Es lassen sich bis zu zwei Zonen einrichten, an denen nur die Bewegung erkannt erden soll. So kann man bspw. explizit Bereiche aussparen oder überwachen. Ebenso kann man die Sensibilität und Wahrnehmungsschwelle der Bewegungserkennung festlegen. Dies ist auch sehr hilfreich, damit die Kamera nicht bei jeder kleinsten Bewegung auslöst. Dies kann bspw. der Vogel sein der am Fenster vorbeifliegt oder der Baum der sich im Wind bewegt. Aber auch im Haus eine Person, die nur kurz vorbeihuscht an der Kamera muss nicht zwingend sofort erkannt werden. Es ist also für einen produktiven Betrieb sinnvoll zumindest die 12 Euro im Jahr auszugeben, wenngleich ich es frech finde, dass man für diese Grundfunktionalität zahlen muss. Dies sollte im Free Paket mit enthalten sein sowie. Mit dem Cloud Speicher kann ich ja fast noch ein wenig verstehen, aber auch hier bekomme ich heute an jeder Ecke ein paar GB freien Speicher.

Auch Besitzer einer Netzwerkfestlatte mit Überwachungsfunktion dürften enttäuscht sein, denn die Gigaset camera überträgt die Videoinformationen nicht nach dem ONVIF Standard. Somit ist also hier keine Einbindung möglich. Auch bietet die App keine Möglichkeit auf einen Netzwerkpfad aufzuzeichnen. Es gibt nur die Cloud Lösung von Gigaset.

Wie machen es andere Hersteller? Gerne greife ich hier noch einmal auf D-Link zurück. Diese Kameras haben nämlich einen integrierten SD-Kartenslot. Hier kann man bei erkannter Bewegung eine definierte Zeit aufzeichnen. Alternativ lässt sich auch ein Netzwerkpfad angeben. Ebenso lässt sich die D-Link Kamera selbstredend in ein NAS System einbinden. Dies ist halt der Vorteil einer genormten IP-Kamera.

Zu beachten ist auch ein kleiner Unterschied zwischen den beiden Apps hinsichtlich dem Download von Aufnahmen aus der Cloud. Dies geht nur über die Gigaset Camera App. Alternativ über das Gigaset elemets Web Portal. Aber ohne Flash geht hier gar nix (siehe nächsten Abschnitt Browser). Ebenso wird in der Gigaset camera App auch nur der REC Button und die Dauer der Aufnahme angezeigt.

Zu guter Letzt. Es gibt keine angepasste Version für das iPad (deshalb auch die minderwertigen Screenshots).

Browser

Gigaset bietet unter my.gigaset-elements.com auch die Möglichkeit an auf das System per Webbrowser zuzugreifen. Insgesamt bietet es hier den gleichen Funktionsumfang wie in der Gigaset elements App. Allerdings wird das Videobild hier noch per Flash eingebunden, welches heute im Web kaum noch Verwendung findet und überholt ist. Zudem gab es Probleme bei der Regelerstellung. Hier bietet die App bspw. beim Button an eine Zeitverzögerung einzustellen. Diese Option wird auf der Browser-basierten Darstellung nicht angezeigt.

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Videoqualität Tag

Von Artefakten behaftet. So kann man es sicherlich am besten Ausdrücken. HD bezieht sich weniger auf die Qualität des Bildes als nur auf die Höhe der Auflösung von 1.280×720 Pixeln. Der verbaute Chip hat ein schlechtes Rauschverhalten und das Bild gleicht eher einer Spielzeugkamera. Man erkennt zwar grob etwas, aber mehr als ein schlecht skaliertes SD Bild ist es leider nicht. Natürlich ist die Bildqualität auch stark abhängig vom Umgebungslicht. Ebenso besitzt die Verbaute Optik Abbildungsfehler. Ganz vorne dabei Chromatische Aberration (lila Ränder überall). Bei einem Weitwinkel Objektiv bleibt natürlich eine Verzeichnung des Bildes auch nicht aus (könnte man aber ja theoretisch aber auch per Software rausrechnen). Auch hier liefert D-Link im Vergleich ein besseres Bild.

Videoqualität Nacht

Hierfür besitzt die Kamera Infrarotlicht, sodass ihr dann eine schwarz/weiß Darstellung bekommt. Die Qualität ist schlechter als das Bild bei Tag, aber entspricht ähnlich dem der D-Link Kamera. Für die Nachtsicht sorgen gefühlt 30 rot leuchtende Infrarot LEDs. D-Link kommt auch mit 4, bei gleicher Bildqualität, aus. Für Einbrecher natürlich dadurch leichter ersichtlich, wo sich eine Kamera befindet.

Was mir fehlt

Viele Sachen habe ich ja schon angesprochen. Was mir sonst noch fehlt wäre bspw. die Erkennung von Lautstärke. Die Kamera hat ja schon ein eingebautes Mikrofon wieso also das nicht auch nutzen. Bspw. quasi als Babyfon wenn das Kind schreit oder der Hund allein zu Hause ist und bellt. Ebenso könnte man auch einen kleinen Lautsprecher integrieren der zur Kommunikation genutzt werden könnte.

Fazit

Nachdem wir uns sehr intensiv mit der Gigaset camera auseinander gesetzt haben bin ich sehr gespaltener Meinung.

Fall 1: Ihr seid auf der Suche nach einer Überwachungskamera für zu Hause und besitzt noch keine Gigaset elements Komponenten. In dem Fall würde ich vom Kauf abraten, denn dort gibt es deutlich bessere Alternativen auch für weniger Geld. Dies könnt ihr in unserem Artikel zur „Hausüberwachung“ nachlesen.

Fall 2: Wie Fall 1 nur ihr besitzt schon Gigaset elements Komponenten. Dann bleibt euch kein anderer Ausweg, denn ihr bekommt keine normale IP-Kamera mit dem System gekoppelt. Zudem ergeben sich in Verbindung mit dem System wesentlich mehr Möglichkeiten und ihr könnt die Kamera mit anderen Sensoren verknüpfen und so ein intelligentes Heim aufbauen.

Als Gesamtfazit bleibt mir aber nur zu sagen, dass sich das Produkt mehr in einem Beta Stadium befindet als ausgereift ist, obwohl es sich schon etwas länger auf dem Markt befindet. Am meisten stört mich vor allem der bescheidene W-LAN Empfang und die die hohe Verzögerung.

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2 comments

  1. Nadine 28 November, 2016 at 10:08 Reply

    Danke für den Testbericht – wir hatten uns überlegt, das Gerät zu kaufen – allerdings haben wir noch keine Gigasets Elements, weshalb wir davon womöglich jetzt doch Abstand nehmen werden. Hätte mir von diesem Produkt angesichts des Namens eigentlich schon ein bisschen mehr erwartet…

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