Test: Sennheiser IE 800 – High-End In-Ear- Was Feines in die Ohren

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Hintergrund
Nebst Kopfhörern sind In-Ears (IEMs) über die Jahre eine kleine Leidenschaft von mir geworden. Angefangen hat bei mir alles mit einem Ultimate Ears Super.Fi 5vi, den es im „Ausverkauf“ vor der Übernahme (Ende 2008) durch Logitech bei Amazon zum „Schnäppchenpreis“ von 50 € gab. Kopfhörerverrückt war ich schon damals und hätte nie gedacht, dass ein so kleiner In-Ear-Hörer überhaupt etwas kann. Klar ist der Super.Fi 5 fernab jeder Referenz, aber für mich war es der Einstieg in die In-Ear-Welt. Wenn man bedenkt, dass sich der überwiegende Teil der Kunden mit den In-Ears oder „Knöpfen“ zufrieden gibt, welche den Handys beiliegen, war auch der Super.Fi 5 bereits eine andere Welt.
Über die Zeit hinweg bin ich dann beim Ultimate Ears triple.fi 10 gelandet, super Sound, aber leider war für mich der Komfort durch die Bauform so schlecht, dass ich ihn (vllt. etwas vorschnell – Stichwort „reshell“) wieder verkauft habe. Daraufhin folgten diverse Experimente mit Universal Fit-Modellen von Shure, Westone und Fisher sowie einigen Customs von Ultimate-Ears, JH Audio, etc.
Seit langer Zeit bin ich nun dem Universal-In-Ear Westone 4R treu. Nachdem ich immer wieder mit dem Tragekomfort des Shure SE535 Probleme hatte, war der Westone 4R in dem Preisbereich der einzig logische Ausweg. Somit habe ich den extrem stimmbetonten Mittenbereich der Shure gegen das grundlegend leicht warm abgestimmte Ensemble des Westone 4R und dem überragenden Tragekomfort eingetauscht.

Warum ich nicht bei Custom-Fit-Modellen geblieben bin? An sich ganz einfach. Alltagstauglichkeit, denn so ein JH13 trägt schon ordentlich auf. Abseits der Bühne und vllt. zuhause fallen mir die meisten Customs dann doch zu sehr auf. So sehr ich den nahezu perfekt abgestimmten Sound auch mochte, ist mir Ästhetik doch nicht ganz unwichtig.

Balanced Amature Treiber vs. Dynamischer Treiber
Kurz nachdem ich von Sennheiser einen HD 800 zum Test erhielt, fiel mir zugleich auch der IE 800 ins Auge und mit einer UVP von 699,00 € muss sich Sennheiser ja auch etwas dabei gedacht haben. Dementsprechend war meine Neugier, diesen In-Ear zu testen, fast ebenso ausgeprägt wie bei dem HD 800.

Doch wo fange ich an? Eine gewisse Skepsis hatte ich gegenüber dem IE 800 schon. Alleine die Größe (siehe Foto), das Gewicht von nur 8g und der Verzicht auf in dem Preisbereich übliche (meist x-fache) Balanced Amature-Treiber erzeugte doch das eine oder andere Fragezeichen auf meiner Stirn.sennheiser_IE_800_test_imaedia_de_05

Zwar haben BA-Treiber nicht nur Vorteile, aber auf dem Blatt zumindest überwiegen diese, bei der richtigen Anwendung, den Nachteilen. So ist es einem einzelnen BA-Treiber kaum möglich tiefe Töne zu erzeugen, denn er verdrängt keine „externe Luft“. Kommen aber mehrere BA-Treiber zum Einsatz, wie im Shure Se535 (1x Hochton 2x Tiefton) oder dem Westone 4R (1x Hochton 1x Mitten 2x Tiefton), hört man schnell die Vorteile dieser Konstruktion, denn in Sachen Räumlichkeit, Präzision und Schnelligkeit macht den Multi-Balanced-Amature-Konstruktionen so schnell niemand etwas vor. Nötig wird dementsprechend aber auch eine Frequenztrennung via vorgeschalteter, passiver Frequenzweiche, damit jeder BA-Treiber auch nur die Frequenzen abbekommt, für die er konstruiert wurde. Und hier gibt es je nach Zuspieler so einige Tücken. So ist es (nahezu) unmöglich Frequenzen aufs Hz genau aufzutrennen und somit eine 100%‘ige Linearität zu gewährleisten. Dementsprechend kommt es bei der Frequenzaufteilung typischerweise immer zu einem Verlust. Im Frequenzgang sieht man dann zumeist einen deutlichen kurzen Abfall. Wer nun denkt, warum überlagert man die Frequenzbereiche nicht teilweise, dem sei gesagt, dass dies genau im Gegenteil resultieren würde. Dementsprechend gäbe es an den Überschneidungspunkten eine deutliche Verstärkung des Frequenzgangs. Auch außer Acht lassen sollte man nicht, dass, so gut die Hörer und die Weichen auch gebaut sind, eure Abspielquelle einen direkten Einfluss auf den Frequenzgang hat, welcher in eurem Ohr ankommt. So empfiehlt es sich tunlichst nicht Player mit hohen Ausgangsimpedanzen für Multi-BA-IEMs zu verwenden, da es hier besonders deutlich zu diesen Effekten kommt.
Ein guter Kopfhörer-Verstärker ist deshalb nicht gleich ein guter In-Ear-Verstärker. Und so manche verbaute „Verstärker“-Elektronik in Mobiltelefonen kann den teuersten und besten BA-Inear-Frequenzgang ad absurdum führen.

Hier kommen wir dann auch zum Vorteil des aus der Kopfhörer-Welt bewährten dynamischen Antriebsprinzips. Ein Dynamischer-Wandler hat logischerweise diese Probleme nicht. Zwar sollte man auch hier einen ordentlichen Zuspieler wählen, aber technisch bedingt sind In-Ear’s  in dieser Konstruktion nicht so kritisch gegenüber ihrer Quelle.
Und dadurch kommen wir nun auch endlich zum Sennheiser IE 800. Was Sennheiser mit dem IE80 bereits erfolgreich bewiesen hat, wurde nun mit dem IE 800 in meinen Augen nahezu perfektioniert. – Es erinnert mich nun etwas an die Story vom HD 800, mit dem Sennheiser gezeigt hat, was mit einem Dynamischen-Wandler-Prinzip so alles möglich ist und brachte somit ein wenig Erschütterung in die Preisregionen, indem die ersten ernstzunehmenden Einstiegs-Elektrostaaten zu finden sind.

Generelles
Mit einem UVP von 699,00 € und der Zuordnung in Sennheiser‘s High-End-Portfolio macht man deutlich, welche Ansprüche man selbst an sein Produkt hegt. Der Hersteller selbst sagt, dass man mit dem so genannten Extra-Wide-Band-Wandler (XWB) mit 7mm Durchmesser den kleinsten Breitband-Schallwandler besitzt, der in dynamischen Ohrkalanhörern (In-Ears) zu finden ist. Dieser soll dafür sorgen, dass selbst bei hohen Lautstärken alles verzerrungsfrei abläuft.

Das reine Datenblatt verspricht verdammt viel:
8 – 41000 Hz (bei -3dB) ist erst einmal eine Ansage.
Dazu gepaart der maximale Schalldruckpegel von 125dB bei 1V 1kHz und einem Klirrfaktor von < 0,06% bei 1 Khz und 94dB eine Weitere.
Diese Daten gepaart mit der für Sennheiser typischen makellosen Verarbeitung in einem kratzfesten Keramikgehäuse(!) bei einem „Fliegengewicht“ von nur 8g (ohne Kabel) lassen viel vom In-Ear erhoffen.

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Verarbeitung / Design
In Punkto Verarbeitung lässt sich, wie soeben angeschnitten, nichts Negatives berichten. Komplett in Deutschland in der Wedemark bei Hannover gefertigt. Die IE 800 selbst sind durchgehend in glänzender schwarzer Keramik mit 2 Aluminium-Öffnungen auf der Rückseite ausgeführt. Das Kabel selbst ist in der aktuellen Version sehr geschmeidig und bleibt es auch. Die Farbe des Kabels ist ebenfalls schwarz, wird aber X-förmig von einem dunklen, grünen „Mesh“ durchzogen. Einziges kleines Manko ist hier vielleicht die für sehr große Menschen unzureichende Kabellänge von 1,1m. Eine Kabelfernbedienung für Apple-Produkte gibt es nicht. Für Android und Windows-Systeme bietet Sennheiser das Kabel RCS 800 mitsamt der integrierten Fernbedienung für satte 129€ zum Kauf an. Runde 18% vom Kaufpreis des IE 800 für ein weiteres Kabel ist in meinen Augen dann doch etwas zu viel des Guten. Aber gut, viele Mitbewerber verlangen hier auch mindestens 80-100 Euro für ein solches Kabel.

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Immerhin hat Sennheiser eine zugleich edle Transporttasche aus echtem Leder im Lieferumfang. Diese sieht nicht nur besonders gut aus, sondern ist auch sehr praktikabel. So lässt sich das Kabel sehr elegant aufwickeln und der 3,5 mm Klinkenstecker sich schön fixieren. Neben dem In-Ear findet auch das Reinigungswerkzeug in dem Transport-Case seinen Platz. Endlich mal eine schön designte und praktikable Transportlösung für einen In-Ear.

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Tragekomfort
Was den Tragekomfort angeht hat Sennheiser erneut Genialität bewiesen. Entweder steht mein Kopf als gesamter Abdruck irgendwo bei denen als Referenzmodell herum oder ich habe einfach Glück (siehe HD 800 Test). Obwohl ich sagen muss, dass die Passform des IE 800 so ausgeführt ist, dass ich bei niemandem einen Grund sehe, warum sie nicht bequem sein sollten. Entgegen z.B. dem Westone 4R mit seinen 4 BA-Treibern und der damit verbundenen Baugröße ist der IE 800 mit seinem XWB-Treiber, was die Größe angeht, klar im Vorteil. Während beim Westone die Technik mitsamt den Wandlern in der Ohrmuschel verschwindet, benötigt der IE 800 hier keinen Platz. Somit kommt es auch nicht zu den üblichen Komplikationen, bei denen das In-Ear-Gehäuse irgendwo in der Ohrmuschel drückt oder anstößt. Dort, wo der Westone dann doch mal anfängt leicht zu drücken oder ich den Sitz korrigieren muss, hatte ich mit dem IE 800 selbst nach 3-4 Stunden absolut keine Probleme.

Auch zu erwähnen ist die für hochpreisige In-Ears fast unübliche Kabelführung, denn während beim Shure oder Westone das Kabel zwecks Vermeidung von Körperschallübertragung über das Ohr geführt wird trägt sich der Sennheiser eher wie ein „üblicher Knopf“ aus alten Zeiten im Ohr. Meine Meinung hierzu ist zwiegespalten, denn einerseits erleichtert diese Trageoption das Einsetzen und somit auch die Alltagstauglichkeit ungemein, aber andererseits ist der IE 800 doch durchaus anfällig für eine teils deutliche Körperschallübertragung. Der Versuch, das „mikrofonische Kabel“ durch das Tragen über dem Ohr in den Griff zu bekommen, scheitert bei vielen Menschen einfach schon an der Kabellänge. Denn zwischen dem In-Ear selbst und dem Y-Stück stehen einem lediglich 25cm Kabel zur Verfügung. Auf ein wechselbares Kabel hat Sennheiser aus Design und Platzgründen verzichtet. Allerdings kann man hier vorab Entwarnung geben, denn wenn man so durch die Foren stöbert, tauscht Sennheiser die IE’s anstandslos aus, sofern hier ein Defekt vorliegt.

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Etwas eigenwillig ist Sennheiser allerdings mit der Thematik der Ohradapter umgegangen. Es liegen zwar 5 Paar in verschiedenen Größen bei, sodass wirklich jeder die passende Größe finden sollte. Verarbeitet sind diese erstklassig. Wirklich toll sind hierbei die ovalen Ausführungen, die dann doch in vielen Ohren einfach anatomisch passender sind. (Ich selbst verwende das ovale Ohrpassstück in S-M). Und passt gut auf diese Adapter auf, denn einen Ersatz lässt sich Sennheiser sehr, sehr gut bezahlen. Mit 34,23 € (pro Paar) muss man hier rechnen. Auch etwas befremdlich für die erfahrene In-Ear-Gemeinde ist sicherlich, dass es z.B. von Comply für den IE 800 keine „passenden“ Comply-Foams gibt. Zwar passen über 1-2 Umwege auch die TX-200 oder 500’er, aber offiziell passen diese Tips nicht. Besonders vermisse ich Double- und Tri-Flanges, welche ich üblicherweise an meinen Westones verwende. Obwohl irgendwie auch nicht. Denn weder bei den Shure- noch bei den Westone-Modellen habe ich so gut passende, „einfache“ Silikon-Tips gehabt. Einzig und allein muss man somit mit -26dB Dämpfung/Isolierung auskommen.

Sound
Nun zum Punkt, der mich wohl am meisten überrascht, um nicht zu sagen umgehauen hat. Wer die Einleitung zum Artikel gelesen hat, weiß, dass ich mir kaum vorstellen konnte, dass es möglich ist mit einem einzelnen dynamischen Treiber – Sennheiser nennt diesen: Extra-Wide-Band-Wandler (XWB) – die Klanggüte von hochpreisigen Multi-Balanced-Amature-Treiber-Systemen zu erreichen. Doch wie bereits beim HD 800 lässt sich auch bei dem IE 800 bestätigen, dass der Hersteller hier wenig von leeren Versprechungen hält. Im direkten Vergleich zum Westone 4R zieht mein derzeitiger Alltagshörer in den meisten Disziplinen den Kürzeren. Einzig und allein der doch recht ausgeprägte Tieftonbereich des IE 800 mag nicht in jedes Genre passen. Ansonsten besticht der IE 800 mit einer absolut realistischen Abbildung mitsamt einer guten Ortbarkeit und einer weiten Bühne. Diese Eigenschaften habe ich in der Form auch noch bei keinem anderen In-Ear so ausgeprägt gehört, was zudem natürlich auch an der Zielgruppe liegt, denn während Shure, Westone etc. eher für den On-Stage-Bereich für Musiker gebaut wurden, konzentriert sich Sennheiser hier auf die audiophilen, Hi-Fi-verliebten privaten Hörer. So kann ich auch sagen, dass der Sennheiser entgegen dem HD 800 keineswegs linear abgestimmt ist. Manche mögen meinen, dass Sennheiser mit dem IE 800 die „Badewanne“ aus dem Fachhandel gekramt hat. Dem möchte ich aber widersprechen. Ich empfinde die generelle Abstimmung des IE 800 zwar als warm, aber von „Badewannen-Loudness“ ist keine Spur. Die Höhen werden sehr detailliert und präzise wiedergeben ohne zu dominierend oder schrill/spitz zu wirken. Die abgrundtiefen Bässe kommen so rüber, wie es das Eingangsmaterial halt hergibt. Hier sollte man nicht vergessen, dass ein dynamischer Treiber im Tieftonbereich seine Vorteile ganz ausspielen kann. Ein wenig zu dezent empfinde ich den Mitten- bzw. speziell den Stimmbereich. Ab 3kHz bis 5kHz knickt der Frequenzgang gefühlt ganz leicht ein. Vorstellen könnte ich mir zu dem Punkt, dass man es so irgendwie erreicht die Stimmwiedergabe aus dem Kopf herauszubringen. Kaum ein In-Ear, den ich kenne, spielt ein so natürliches Bühnenbild ab. Während viele In-Ears die Bühne in eurem Kopf komprimieren, klingt der IE 800 ganz anders. Luftig, durchsichtig möchte man vielleicht im „Hi-Fi-Deutsch“ sagen.
Durch die gedämpften Zwei-Kammer-Absorber (D2CA) hat Sennheiser es zudem geschafft die Wiedergabe fast lautstärkeunabhängig nahezu resonanzfrei zu halten.
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Klang ist, wie ihr auch wisst, immer so ein Thema. Meine Höreindrücke müssen sich absolut nicht zwingend mit den euren decken. Denn jeder Mensch nimmt die jeweiligen Frequenzen immer etwas anders wahr. Und auch mit dem Alter schrumpft der hörbare Frequenzbereich, den wir aufnehmen. Deswegen finde ich es immer etwas „praxisfremd“ anhand von Referenz-Titeln, welche ich verwende, diese Höreindrücke wiederzugeben. Ich möchte euch trotzdem mal ein paar meiner Höreindrücke zu den Musikstücken niederschreiben, um die Stärken und Schwächen des IE 800 herauszustellen.

  • Sara K. – All Your Love: Absolut authentische Bühne und Ortbarkeit. Die Stimme befindet sich vor dem Hörer und die einzelnen Instrumente sind gut ortbar. Die leicht warme Abstimmung des IE 800 kommt den 2 Gitarren entgegen. Trotzdessen ist jeder einzelne Anschlag einer der Gitarrenseiten detailliert hörbar.
  • Norah Jones – Sunrise: Wenn auch gleich nicht eines der am besten abgemischten Musikstücke, ist es immer noch eines meiner Favoriten. Gepaart mit der warmen Abstimmung ist der Titel auf den IE 800 einfach ein purer Genuss. Es entgeht kein ach so kleines Detail. Es wird das Gefühl vermittelt als wenn die schöne Norah Jones direkt vor und für einen singt.
  • Sting – A Thousand Years: Gleich zu Beginn des Titels hört ihr einen brachialen Tiefbass, welchen ihr mit vielen Wiedergabemedien noch nie hören konntet. Er klingt dabei nicht zu aufdringlich, erreicht aber Tiefbass-Regionen, welche für die meisten In-Ears vorher nicht zu erreichen waren.
  • J-Yes – Tick Tock Song: Saubere Stimmwiedergabe mit leicht überspitztem S‘ (ist aber auch auf der Aufnahme so). Ansonsten eine schön präzise, „punchige“ Base. Klingt sehr harmonisch.
  • Daniela Andrade – Crazy: Geniale Aufnahme und geniale Wiedergabe auf dem IE 800. Extrem klare und detaillierte und vor allem unverfälschte Stimmaufnahme (so hört man z.B. deutlich, wenn Daniela Andrade ihre Lippen befeuchtet). Das Zupfen der Gitarrenseiten beinhält viele feine Details. Und das ganze Stück klingt sehr luftig und weit.
  • Mark Knopfler – Boom, Like That: Der IE 800 ist für das Stück einfach wie geschaffen.
  • Eric Clapton – Layla Live Unplugged: Ausgeprägte, tolle Räumlichkeit und tolle Ortbarkeit.
  • Sara K. – When I Didn’t Care: Für mich eine Referenz in Sachen Stimm- und Detailwiedergabe. Kommt auf dem IE 800 ebenfalls perfekt rüber. Es fehlt etwas an Dimension, aber ansonsten absolut erstklassig.
  • Nils Lofgren – Keith Don’t Gp: Hier gilt das gleiche wie für das Stück von Sara K.
  • Oscar Lopez – Classical Soul: Akustikgitarre vom allerfeinsten. So viele Details hat man selten gehört. Hier ist man mit dem IE 800 auch perfekt unterwegs. Wenn auch gleich dies ein Stück ist, bei dem ich sagen muss, dass der Westone 4R da doch gut mithalten kann.
  • Lorde – Royals: Schöne Räumlichkeit, allerdings klingt mit hier der Tiefbass ein Stück zu fett mit dem IE 800.
  • Antonio Vivaldi – Concerto For Violin and Strings in E, Op. 8, No.1, RV 269 „La Privavera“: 1. Allegro: Wie es auch der IE 800 schon gezeigt hat, ist Klassik sicherlich eine Domäne der Sennheiser In-Ears. Wobei der IE 800 gefühlt noch etwas mehr Detail und vor allem Räumlichkeit ins Ohr zaubert. (Hierzu sage ich aber auch, dass ich nicht der Klassik-Hörer bin!)
  • Avicii – For A Better Day: Auch aktuelle Chart-Hits möchte ich nicht ganz auslassen. Der Song klingt für einen In-Ear überraschend transparent und weit. Man hört aber leider deutlich, dass ein Quäntchen zu viel Dynamikkompression eingesetzt wurde? Der Tieftonbereich ist bei dem Stück überraschend dezent.
  • Namika – Lieblingsmensch: Hier zeigt sich, dass man doch ab und an nochmal in den einen oder anderen Chart-Titel reinhören kann. Das Stück generell zeigt sich überraschend gut abgemischt. Es besitzt ausreichend Dynamik und Detail, um den IE 800 auch etwas auszuschöpfen. Bestimmter, sauberer Tiefbass. Klare, angenehme Stimme. Sämtliche Instrumente lassen sich gut orten. Auch ein saubereres Stereoabbild zeigt sich dem Hörer durch die Sennheiser In-Ears.

Generell gilt also auch bei den IE 800 – ohne gutes Material sind gute In-Ears, genau wie Kopfhörer, recht witzlos. Doch zeigt sich der IE 800 überraschend gut tauglich für sämtliche Genres. So würde ich dem Sennheiser so ziemlich jedes Genre zutrauen. Durch den gut ausgebauten Tiefbassbereich hinterlässt er zudem auch mit einem Mainstream-angelehnten Musikgeschmack einen guten Eindruck.

Vergleich zum HD 800
Der direkte Vergleich zum HD 800 ist schlichtweg nicht möglich. Zwei unterschiedliche Wirkprinzipien abseits einer Bauweise, die unterschiedlicher wohl nicht sein können. Ein großer offener und dynamischer Kopfhörer gegen einen 8g In-Ear mit einem 7mm Treiber? Klar klingt das anders. Während der HD 800 mit seiner extrem weiträumigen Bühne und der tollen Neutralität punkten kann, punktet der IE 800 mit einem extrem tiefen, druckvollen, aber akkuraten Tiefbass. Eine herausragende Präzision und Detailwiedergabe besitzen beide. Was man aber sagen kann, ist, dass der typische direkte Sennheiser-Sound beim HD 800 und IE 800 gleichermaßen viel Spaß macht.

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Fazit
Wenn ich die Sennheiser IE 800 umbenennen dürfte, würde ich diese definitiv „Black-Pearls“ nennen. Zu schade aber auch, dass ein etwas älterer Sony-Heimkinoprojektor diesen Titel schon innehat. So filigran, anmutig die Sennheiser In-Ear‘s in ihrem schwarz-schimmernden Keramikgehäuse ausschauen, klingen diese auch. Abseits der für die Bühne gebauten In-Ear-Monitore steht der IE 800 recht alleine in seinem alltagstauglichen High-End-/Hi-Fi-Segment, doch genau dort steht er gut, sehr gut sogar. Leicht warm abgestimmt, absolut tiefgangfähig und dabei so detailreich im Hoch- und Mittelton; das gibt es selten. Das gepaart mit einem fast perfekten Bühnenbild hat Sennheiser es geschafft viele positive Eigenschaften seiner High-End-Kopfhörer in die 8g schweren IE 800 zu bringen. Warum also weiterhin Geräte kaufen, welche grundlegend für die Bühne und den Musiker bestimmt sind, wenn ihr Hi-Fi in diesem Format haben könnt. Die Wahl eines dynamischen Treibers gegenüber mehreren Balanced-Amatures hat sich absolut nicht als Nachteil erwiesen. Einen Verlust an Detail und Brillanz z.B. gegenüber meinen Westone 4R im Direktvergleich konnte ich absolut nicht feststellen. Sicherlich gibt es findige Ohren, die hier und da noch Nuancen feststellen können, welche leicht negativ zu bewerten wären, aber das macht der IE 800 mit seiner absoluten Alltagstauglichkeit sofort wett. Ich kenne keinen anderen In-Ear mit einer so hohen Klanggüte, welcher sich so bequem tragen lässt und dabei noch so gut aussieht.

Klar sind 699,00 € kein Schnäppchen, aber wenn man bedenkt, dass der IE 800 komplett in Deutschland gefertigt wird und welche Entwicklungskosten dahinter stehen, ist der Preis gepaart mit der herausragenden Leistung absolut gerechtfertigt.

Vielen Dank an die Firma Sennheiser electronic GmbH & Co. KG für die Bereitstellung eines Review-Samples.

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2 comments

    • Dante 25 Dezember, 2016 at 12:48 Reply

      Bestes bisher gelesene Review über meine Ohrschätze!

      Extrem interessant und detailert beschrieben.
      Dein technisches Know How (welches mir fehlt) verleiht dem Bericht die nötige Glaubwürdigkeit.

      Me Gusta!

      Cheers

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