Test: Sennheiser HD 800 – High-End Kopfhörer mit Perfektion in allen Bereichen

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Durch unseren definitiven Hang zum audiophilen Genuss hatten wir in der Vergangenheit immer wieder den einen oder anderen Kopfhörer bei uns in der Redaktion. Quer durch alle Produktpaletten, Hersteller oder Preisklassen. Und auch ein paar hochpreisige, Top-End-Modelle der Hersteller waren dabei, wie der AKG Q 701, audio-technica ATH-AD900 , Bayerdynamic DT 880, DT990 Ed. 2005 und Sennheiser HD650.

Im privatem Umfeld hatte ich allerdings auch schon Kopfhörer auf den Ohren. Welche unter anderem (weit) in den 4-stelligen Preisbereich gehen, wie den Audeze LCD-2/3, Bayerdynamic Tesla T1, Denon AH-D7000, einige Stax- Elektrostaten und den legendären Sennheiser Orpheus HE 90.

Vor grob 2 Monaten erhielt ich endlich den von mir lang zum Test erwarteten Sennheiser HD 800. Ein Kopfhörer, dem ein wahrhaft guter Ruf alá „Weltklasse“ und „Bester dynamischer Kopfhörer der Welt“ vorauseilt.

Das High-End Flaggschiff der Referenz-Kopfhörer aus dem Hause Sennheiser kommt in einer dem Preisbereich (UVP: 1,299,00 EUR) angemessenen und gut verarbeiteten schwarzen Aufbewahrungsbox aus Holz mit seidig/samtiger Verkleidung daher. Öffnet man zum ersten Mal diese große Box, wird man erst einmal von der schieren Größe des HD 800 überrascht und stellt sich, berechtigt oder nicht…, Fragen wie „Und das soll bequem zu tragen sein?“ oder „Passt das riesen Teil auf meinen Kopf?“.

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Um gleich hier die Entwarnung zu geben, bezüglich dem Tragekomfort macht dem Sennheiser so schnell niemand etwas nach. Er mag zwar sehr wuchtig aussehen und ist mit gut 330g ohne Kabel auch kein absolutes Leichtgewicht, aber für mich war der Tragekomfort weitaus besser als z.B. bei dem Bayerdynamic T1, welcher nach einer gewissen Zeit anfing zu drücken (ein Gefühl wie in einer Schraubzwinge). Der Anpressdruck  von ca. 3,4 N wurde scheinbar optimal gewählt. Und auch die wuchtigen Hörmuscheln mitsamt der edel anmutenden Polsterung, welche sich, wie die am Bügel fast wie Wildleder anfühlt, sind genau richtig dimensioniert um die 330 Gramm optimal zu verteilen. Die großen Hörmuscheln haben zudem den Vorteil, dass man selbst nach stundenlangem Musikgenuss nicht/kaum darunter schwitzt. In Sachen Ergonomie hat Sennheiser für mich definitiv den perfekten Kopfhörer konstruiert.

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Die Verarbeitung ist, wie für einen in Deutschland gefertigten Sennheiser Kopfhörer üblich, über jeden Zweifel erhaben. Ein edelster Materialmix aus z.B. laser-graviertem Edelstahl im Bügel, Edelstahl-Akustik-Mesh an den Ohrmuscheln, Wildleder-ähnlichem Material (Mikrofaser) der Polsterung, einem 3 Meter langem teil-textil-ummanteltem sauerstofffreiem und silberbeschichtetem modularem Kabel, welches in einem luxuriös anmutendem Vollmetall-6,3 Millimeter und gold-beschichtetem Klinkenstecker endet.

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Mit dem Verzicht auf einen 3,5-Millimeter-Klinkenadapter macht Sennheiser zugleich aber auch deutlich, dass sein Flaggschiff mit 300 Ω Nennimpedanz nichts für iPod und Konsorten ist. Wenn auch gleich der Betrieb an einem kleinen MP3-Player absolut nicht zu empfehlen ist, geht das natürlich. Nur halt zumeist sehr leise. Aber wer trägt schon einen offenen, dynamischen High-End-Kopfhörer unterwegs z.B. in der Straßenbahn ?…

Und nun vorab zur „Elektrostaten-Fraktion“ unter euch… Sennheiser hat den HD 800 komplett neu entwickelt und damit meine ich, dass man wohl sprichwörtlich mit einem weißen Blatt Papier bei der Produktentwicklung begonnen hat. Also bitte urteilt nicht über den HD 800, bevor Ihr ihn selbst gehört habt. Und versteht mich bitte auch nicht falsch, der HD 800 entzieht natürlich keinen Elektrostaten seine „Daseinsberechtigung“, aber ein wenig Erschüttern/Tangieren wird er Eure Welt dann schon etwas, denn Sennheiser zeigt, was mit dem Prinzip „Offen und Dynamisch“ machbar ist. Und falls es ein überzeugter Loudness-Fetischist, welcher sich im Bann von Kopfhörer-Marketing-Maschinen ala. „die vom großen, neuerdings nach Apfel riechendem Dr.-Hörer“ im Text verirrt hat, lies ruhig weiter, aber „mehr Bass“ als Qualitätsmerkmal werdet ihr heute nicht finden. :)

Statt der normalen „Dom-förmigen“ Membran entwickelte Sennheiser für den HD 800 eine Art „Donut-förmige“ Membranform welche oberflächenmäßig doppelt wellenförmig gebogen ausgeführt wurde. Quasi eine „Ringmembran“ welche einen Durchmesser von stattlichen 56 Millimeter misst. Die bisher größten Wandler, die je in Kopfhörern verwendet wurden. Gepaart mit kräftigen Neodym-Magneten und einer 40 Millimeter Schwingspule hat der Sennheiser großes vor.

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Überragende Kontrolle über die revolutionäre Membran sorgt für eine absolute Präzision und somit einem nie erreichtem Detailgrad für einen dynamischen Kopfhörer. Und selbst in dieser wirklichen Domäne der Elektrostaten muss sich der Sennheiser HD 800 im gleichen Preisbereich und auch leicht darüber nicht verstecken.

Der HD 800 klingt ansonsten recht unspektakulär, allerdings im positiven Sinne. Sennheiser verzichtet beim HD 800 bewusst auf ein gewisses „Sounding“ und somit kommt das Material authentisch und fast absolut linear ins Gehör. Etwas ungewohnt in der heutigen Zeit, das gebe ich zu. Aber nach einer kleinen Umgewöhnungsphase (welche man nach jedem Wechsel des Kopfhörers durchlebt,) gefällt mir diese Neutralität gepaart mit einer nie dagewesenen Detailauflösung sehr. Auch an Bass fehlt es dem HD 800 eigentlich nicht, zumindest reicht dieser für einen offenen Kopfhörer eher unüblich bis in tiefste Regionen ohne aufdringlich oder zu druckvoll (dröhnend) zu wirken. Aber der Punkt ist definitiv eine Geschmacksfrage.

Wirklich absolute Weltklasse finde ich, wie Sennheiser es mit den zum Ohr angewinkelten Wandlern geschafft hat, das „perfekte Stereo-Dreieck“ in einem Kopfhörer abzubilden. Dies geht zwar auf Kosten der Größe des HD 800, ist aber neben der Präzision für mich die beste Eigenschaft des Kopfhörers. Auch z.B. der Denon D7000 nutzt diesen Kniff, um eine Bühne vor dem Hörer zu erzeugen. Für einen Geschossenen Hörer gelingt es dem Denon D7000 auch sehr gut. Jedoch spielt der Sennheiser mit seiner offenen Bauweise die deutlich besseren Karten aus. Der HD 800 erzeugt eine derart große und angenehme Bühne, wie ich es bei noch keinem anderen Kopfhörer erlebt habe.

Getestet haben wir den Sennheiser HD 800 übrigens überwiegend am PC mit unkomprimierten Material wie FLAC via ASIO (incl. 24Bit/96kHz) und am SACD Player jeweils mit einem Kopfhörerverstärker. (Lehmannaudio Linear USB und seinem „quasi Nachbau“ Matrix Audio M-Stage HPA USB)

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Auf die sonst so üblichen Höreindrücke, welche oftmals Material(Lied-)-bezogen von vielen Zeitschriften etc. ausgeführt, werden verzichte ich allerdings bewusst. Denn jeder nimmt sein Lieblingsstück etwas anders wahr und sollte mit dem HD 800 seine eigenen Hörerfahrungen machen. Also los mit euch zum zertifizierten Fachhändler (idealerweise mit eigenem, bekannten Material) und probehören. Bei mir hat der HD 800 z.B. bei Titeln wie „Sara K. – Blind-Hearted und All Your Love“,  ,“Daniela Andrade -Crazy“ oder „Angus Stone – Yellow Brick Road“ für ein paar neue Gänsehaut-Momente gesorgt.

Fazit:
Wer Präzision gepaart mit angenehmer Neutralität und einem nie dagewesenem Detailgrad bei einem Kopfhörer sucht, ist bei Sennheiser HD 800 genau richtig.
Kein anderer Kopfhörer bis rund. 1500 EUR beherrscht diese 3 Faktoren so gut und selbst drüber sind es zumeist nur noch Nuancen.

Der Preis von UVP 1.299,00 EUR ist aus meiner Sicht für diesen Weltklasse-Kopfhörer gerechtfertigt. Er leistet sich keine erkennbaren Schwächen, ist ausgezeichnet verarbeitet und bietet für mich einen ebenfalls nie dagewesenen Tragekomfort. Der HD 800: Ein perfektes und kompromissloses Gesamtpaket, welches mit quasi jedem Genre ausgezeichnet zurechtkommt.

Videotest und Unboxing:

Vielen Dank an die Firma Sennheiser electronic GmbH & Co. KG für die Bereitstellung eines Review-Samples.

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