Test | Bowers & Wilkins Zeppelin Air – iPhone, iPod Dock mit AirPlay

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Viele von euch, insbesondere die Apple Gemeinde, haben den Zeppelin von Bowers & Wilkins sicherlich schon des Öfteren bewundert und bestaunt. Doch vielen wird es ähnlich wie mir gegangen sein und haben vor dem Preis von knapp Euro 600 zurück geschreckt. Euro 600 für solch eine „kompakte“ Box. Niemals. Ein Probehören blieb dann meist aus, da man den Kauf in Gedanken schon verneint hatte. Ich war jedoch nun in der glücklichen Position, den aktuellen Bowers & Wilkins Zeppelin Air in den eigenen vier Wänden testen zu dürfen. Um es gleich vorweg zunehmen: Ich bin sehr begeistert. Lässt man den Preis einmal außen vor ist der neue Zeppelin Air ein wirklich genialer 2.1 Lautsprecher, der mit außergewöhnlich gutem Sound beindrucken konnte. Ein kräftiger Bass, eine lebendige Stimmenwiedergabe und ein raumfüllender Klang, gepaart mit einem dynamischen Aussehen und einer erstklassigen Verarbeitung und Bedienung laden zum stilvollen Musikgenuss oder zur Party ein. Doch fangen wir einmal von vorne an.

Design
Hier bestehen in der Gesellschaft sicherlich differente Meinungen. Mir jedenfalls gefällt das stromlinienförmige Design des Zeppelin Air. Er sieht aus wie ein moderner Einrichtungsgegenstand, der sich merklich gut in mein Ambiente einfügt. Jedoch habe ich auch bereits von Freunden stimmen gehört, dass das Ding aussieht wie ein Zäpfchen. Am Ende des Tages bleibt dies jedoch nur eine Geschmacksfrage, die ich für mich allerdings mit überragend beantworten kann. Das Design entstammt übrigens der Feder von dem Industriedesigner Morten Waaren, der schon seit vielen Jahren mit Bowers & Wilkins zusammenarbeitet und unter anderem auch für das Design des Klassikers der Serie 800 verantwortlich ist.

Verarbeitung
Nach bereits zwei vorangegangenen Test von Bowers & Wilkins Produkten, dem C5 und dem P5, gab es auch beim Zeppelin Air keine Überraschungen. Die Verarbeitung ist erstklassig und ohne erkennbare Mängel. Auch die Konstruktion zeigt sich als sehr robust. Das Gehäuse des Lautsprechers ist aus einem glasfaserverstärkten

ABS Kunststoff hergestellt, welcher sich durch eine besondere Härte und Schlagfestigkeit auszeichnet. Dies bedeutet in der Praxis, dass das Gehäuse die Schlagenergie der Chassies absorbiert, was sich vor allem in einem verzerrungsfreien Klang wiederspiegelt. Hier haben die Ingenieure wirklich ganze Arbeit geleistet und ihr Jahrzehnte langes Know-how aus dem Lautsprecherbau einfließen lassen.

Anschlüsse
Das Zeppelin Air bietet eine Vielzahl von Anschluss- und Abspielmöglichkeiten. Musik lässt sich über den Dock Connector, per Netzwerk (Kabel und W-LAN), USB sowie über den AUX Eingang abspielen. Zentral dürfte hier aber die Neuerung Air Tunes von Apple sein, die es einem ermöglicht von allen Apple Geräten die Musik drahtlos auf den Zepplin Air zu streamen. Mehr dazu im späteren Verlauf. Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit Videosignale vom auf den Dock Connector aufgesteckten iOS Gerät, per Composite Videosignal bspw. auf dem Fernseher auszugeben. Allerdings ist der Anschluss schon relativ veraltet und überholt und wird heutzutage nur noch sehr selten genutzt. Hier wäre ein HDMI Anschluss sicherlich sinnvoller. Jedoch ist es fraglich, ob man einen Videoausgang überhaupt benötigt. Denn den Zeppelin Air stellt man sicherlich nicht unbedingt direkt neben dem Fernseher auf. Der USB Anschluss ist noch recht Interessant, da dieser als einziges die Möglichkeit bietet, den kompletten Systemton vom MacBook wiederzugeben.

Technik
Technisch hat der Zeppelin Air viele technische Raffinessen, Detaillösungen und Highlights zu bieten. Der Zeppelin Air besitzt insgesamt fünf Chassis. Ein Tieftöner für den Bass, zwei Mitteltöner und zwei Hochtöner. Angesteuert werden die Chassis durch fünf getrennte Class-D Verstärker, die eine Ausgangsleistung von 4 x 25 Watt und 1 x 50 besitzen. Klingt zunächst vielleicht ein bisschen wenig, aber die Leistung reicht definitiv für mächtig viel Bums aus. Doch hierzu mehr im Klangtest.

Auch wurden die Lufteinströmungen für die als Bassreflexbox ausgelegten Subwoofer optimiert. Bowers & Wilkins nennt diese Technik Flowports. Die Tubes haben eine golfballähnliche Oberflächenstruktur, was beim Einsaugen zu weniger Luftverwirbelungen und somit zu weniger Strömungsgeräuschen führt. Kleine Detaillösungen, die sich aber deutlich in der Qualität des Klanges wiederspiegeln und sich von der Konkurrenz abheben.

Dies sind nur einige technische Eckpunkte,  die das Gesamtpaket abrunden und den Zeppelin Air zu einem technischen Meisterstück machen.

Einrichtung
Bei der Einrichtung gehe ich nur auf den Punkt der W-LAN Einrichtung ein, da hier als einziges etwas zu konfigurieren ist. Ansonsten funktionieren alle anderen Schnittstellen sofort. Dank der bebilderten Anleitung war aber auch die Einrichtung per W-LAN kein Problem. Bei der Einrichtung des W-LAN auf dem Zeppelin Air gibt es lediglich eine einzige Einschränkung. Der Key für die Verschlüsselung darf keine Sonderzeichen enthalten, das mag er nicht. Hier müsste man dann in den sauren Apfel beißen und den Key ändern und ihn dann auch auf allen anderen drahtlosen Geräten neu eingeben. Eventuell wird dieses Problem bzw. der Fehler in naher Zukunft ja noch durch ein Firmware Update behoben. Bis auf diesen Patzer funktionierte die Einrichtung bei mir allerdings ohne Probleme und binnen fünf Minuten war mein Zeppelin Air im W-LAN der FRITZ!Box Fon WLAN 7390 und die AirPlay Funktion konnte genutzt werden. Natürlich funktioniert AirPlay aber auch, wenn man den Zeppelin Air per Ethernet verbindet und dieses an einen W-LAN Access Point angeschlossen ist. Der Zeppelin Air muss also nicht zwingend im W-LAN sein, um AirPlay nutzen zu können. Allerdings ist man per W-LAN wesentlich flexibler bezüglich der Aufstellungsmöglichkeiten.

Bedienung
Die Bedienung geht sehr leicht von der Hand. Beginnen wir mit AirPlay. Diese Funktion ist in allen iOS und Mac OS X Geräten integriert und ermöglicht die drahtlose Übertragung von Musik auf den Lautsprecher. Beim MacBook wählt man in iTunes unten rechts als Lautsprecher einfach das AirPlay Gerät aus und schon wird die Musik übertragen. Die Lautstärkeregulierung kann man zudem über iTunes direkt steuern. Leider ist die AirPlay Funktion am MacBook werksmäßig nur auf iTunes beschränkt, nicht aber auf weitere Anwendungen. Wer den kompletten Systemton übertragen will muss, wie bereits oben erwähnt, entweder den Zeppelin Air per USB anschließen oder man gönnt sich alternativ die Anwendung Airfoil für das MacBook, die ebendies ermöglicht.

Mit iOS Geräten wie iPhone, iPad oder iPod lässt sich weitaus mehr als nur die Musik übertragen. In den meisten Apps, die in Verbindung mit Musik stehen, befindet sich ein integrierte AirPlay Funktion. TuneIn Radio, Tagesschau, YouTube oder selbst die RadioPaloma App erlauben eine direkten Zugriff auf AirPlay und somit die Wiedergabe über W-LAN. Ein nettes Feature lässt sich sogar in Verbindung mit der App Alarm Clock realisieren. So kann man den Zeppelin Air bspw. als Wecker für die Wiedergabe des Klingeltons nutzen. Dementsprechend wird man am Morgen nicht von krächzender Radiomusik geweckt, sondern von wohlklingenden Lautsprechern. I like.

Des Weiteren liegt dem Zeppelin Air eine Fernbedienung bei, die sich im Design am Lautsprecher orientiert, aber eher die Form eines halbierten Eis hat. Mit der Fernbedienung lassen sich die Grundfunktionen Steuern wie Laut/Leise, Play/Pause, Vor/Zurück, AN/Aus sowie Quellenwechsel. Der Abstrahlwinkel der Fernbedienung ist riesig und ich hatte aus keiner Position das Problem den Zeppelin zu steuern. Das fand ich sehr positiv. Was ich nicht so gut fand ist, dass die Funktionen nur funktionieren, wenn das iPhone oder der iPod sich auf dem Dock Connector befinden. Spielt man bspw. vom MacBook aus seiner Musikbibliothek die Lieder ab funktionieren weder Play/Pause noch Vor/Zurück. Kann sein, dass es auch eine Einschränkung des Protokolls von Apple ist, aber zumindest ist das nervig wenn man auf dem Sofa sitzt und dann mal ein Track überspringen möchte muss man zum Laptop laufen. Natürlich kann man hier auch Remote von Apple nutzen, um das Problem zu umgehen, aber per Fernbedienung wäre es auch schön.

Ein nettes kleines Feature ist noch die keine Leuchtdiode. Anfangs war ich mir nie sicher, welcher Audioeingang gerade aktiv ist. An der LED erkennt man dies aber, da sie je Eingang ihre Farbe wechselt. Ein kleines Detail, was mir erst später aufgefallen ist, aber sehr cool ist. Positiv zur LED ist noch zu sagen, dass die Leuchtstärke sehr dezent ist, also einen nicht blendet. Mache Hersteller verbauen teils superhelle LEDs die massiv stören und die ich dann auch schon abgeklebt habe.

Klang
Awesome, würde Steve sagen. Also der Klang ist wirklich der Hammer und hat mich umgehauen. Hier zeigen sich einfach die 50 Jahre Erfahrung, die Bowers & Wilkins mit dem Bau von Lautsprechern hat, denn der Klang ist wirklich sehr gut und fein abgestimmt. Ein kräftiger Bass weis hier genauso zu überzeugen, sowie ein deutliche Mitteltonwiedergabe und luftige und brillante Höhen. Das Gesamtbild wirkt harmonisch und natürlich und kein Tonbereich dominiert den Anderen. Der Zeppelin fühl sich in allen Genres wohl und weis sich gekonnt in Szene zu setzten. Ich kann jedem nur Empfehlen sich den Zeppelin einmal anzuhören. Auch im Blindtest würd man erstaunt sein was für ein kompakter Lautsprecher doch dahinter steckt. Denn er kann mit einer Kompaktanlage deutlich mithalten. Auch auf hoher Lautstärke spielt er souverän und verzerrungsfrei. So bietet sich der Lautsprecher auch für diejenigen an, die wenig Platz haben und dennoch den Klang einer Kompaktanlage genießen wollen. Zudem kann man in einem Haushalt mehrere Zeppelins platzieren und sich so ein Multi Room System aufbauen. Hier fehlt lediglich noch die Option wie bspw. bei Sonos, dass man alle Geräte zusammen koppeln kann und diese dann die gleiche Musik abspielen und man sie synchron steuert. Für eine Party wäre dies z.B. ein Vorteil. Doch kann man nicht immer alles haben.

Auch ist der Zeppelin Air in seiner Aufstellung recht unkompliziert, denn der Klang ist sehr räumlich und füllt den Raum harmonisch aus. Zudem braucht man wie bei einer Kompaktanlage keine Strippen ziehen, sondern kann ihn sehr flexibel aufstellen und auch mal schnell in einen anderen Raum transportieren.

Manch Kritiker mag auch sagen, dass man nur seine Lümmel MP3s über das Gerät abspielen kann. Doch AirPlay garantiert für eine verlustfreie Übertragung und unterstützt auch das Apple Lossless  Format, sodass man hier keine Qualitätseinbußen hat. Der Digital Analogwandler sogt zudem für eine gute Signalverarbeitung mit 24 Bit/ 96 kHz-Technik. Natürlich muss man dazu sagen, dass man etwas in der Apple Welt gefangen bleibt. Die Wiedergabe von Flac Files ist bspw. nicht möglich. Für mich stellt dies allerdings keine Hürde da, denn ich bin Apple Nutzer durch und durch.

Anfangs war mir der Bass allerdings etwas zu laut, da ich das Gerät in einer Zimmerecke aufgestellt hatte und sich dieser dadurch sehr verstärkt hat. Zunächst hatte ich über das Web Interface verzweifelt einen Equalizer gesucht. Ein Blick in die Anleitung verriet mir dann, dass ich das iPhone in den Dock Connector stecken muss. Dann erscheint ein Menüpunkt Lautsprecher in den Einstellungen, wo man dann den Bass absenken kann. Allerdings kann man keine weiteren klanglichen Einstellungen vornehmen. Das vermisse ich etwas. Hier könnte man vielleicht noch einmal nachbessern und die Möglichkeit eines Equalizers anbieten. Lediglich über iTunes kann man bspw. Einstellungen vornehmen, die dann allerdings nur temporärer Natur sind und nicht etwa auf dem Gerät abgespeichert werden.

Fazit
Wie man denke ich erkennen kann bin ich sehr begeistert vom Zeppelin Air und gebe ihn nach vier Wochen Test nur schweren Herzens wieder ab, denn zwischen uns steht immer noch der nicht unerhebliche Anschaffungspreis von Euro 599. Nachdem ich das Gerät nun allerdings ausgiebig testen konnte finde ich den Preis jedoch keinesfalls zu hoch, denn man bekommt wirklich ein feines Stück Handwerkskunst geboten. Zudem kauft man sich ja auch nicht jeden Tag solche Lautsprecher und ich denke, dass diese auch über Jahre hinweg, bei ordentlicher Behandlung, ihren dienst leisten werden und sich die Investition somit über die Jahre hinweg lohnt. Auf jeden Fall aber mal bspw. im Gravis oder Apple Store probehören und sich dann in Ruhe überlegen. Ich für meinen Teil kann den Lautsprecher, aufgrund meiner bisherigen Tests, nur empfehlen. Ihr werdet auf jeden Fall glücklich damit. Ich habe auch den Libratone Beat aktuell hier (Test wird folgen), allerdings konnte mich dieser bisher noch nicht so überzeugen. Auch beim Preis legt der Beat nochmal eine Schippe oben drauf.

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6 comments

  1. Tivoli Albergo Test / Erfahrungsbericht / Review | IMAEDIA 1 November, 2013 at 10:40 Reply

    […] Zu kritisieren gibt es eigentlich wenig am Gerät. Für mich könnte der obere On/Off bzw. Snooze Schalter etwas sanfter sein. Der Druck ist ziemlich hart und verursacht ein lautes Geräusch. Ebenso würde ich die Fernbedienung noch einmal überdenken. Von den Funktionen vollkommen in Ordnung, aber von der Haptik und Optik her nicht so hochwertig wie der Rest. Es ist mir ein Rätsel, warum Hersteller an dieser Stelle immer den Rotstift ansetzten. Ich habe es schon oft erlebt, dass die Fernbedienung im Verhältnis zum Rest immer recht kläglich ausfällt. Das es besser geht zeigt Bowers & Wilkins bspw. beim Zeppelin Air. […]

  2. www.voipoverdelivery02.com 21 September, 2016 at 16:28 Reply

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