Der Sennheiser Orpheus 2 – Komm sei ein König und setz dir die Krone auf…

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Im November durften wir bei einer exklusiven Produktpräsentation incl. Hörsession die neue Referenz der Referenz-Kopfhörer – so muss man es ja schon ausdrücken – einmal probe hören. Über die Einladung von Sennheiser in den nahegelegenen Firmensitz in der heimischen Wedemark haben wir uns sehr gefreut und betrachten es als wirkliche Ehre bei einer solchen Produktvorstellung dabei sein zu dürfen.

Aber nun zum Thema. Ihr wollt ja sicherlich auch etwas über das neue Meisterstück der deutschen Audio-Ingenieurskunst wissen. Da wir zu zweit auf dem Event waren und jeweils runde 20-30 Minuten Zeit hatten, den neuen Elektrostaten Orpheus 2 zu genießen, werde ich im folgenden Text versuchen die gewonnenen Eindrücke von Camillo und mir zu beschreiben.

Wie in allen Tests und Erfahrungsberichten von High-End-Audio Produkten, möchte ich auch hier vorab noch einmal den Hinweis geben, dass gerade Höreindrücke immer subjektiv sind. Wir bewegen uns hier zudem in einer Preisklasse wo hier und da noch etwas Finesse den Unterschied ausmacht.

Hintergrundinformationen

Nun, der Oprheus 2 HE/V 1060 wäre nicht die „Nummer zwei“, wenn es nicht vorher schon einen gegeben hätte… Deshalb noch etwas Historie vorab. Denn im Jahr 1991 erblickte der legendäre Sennheiser Oprheus (1) das Licht der Welt, – der aufgrund der extrem aufwändigen Verarbeitung auf 300 Stück limitiert wurde – er schlug ein wie eine Bombe und erschütterte den globalen Kopfhörer-Markt indem er alles bisher dagewesene weit in den Schatten stellte. Der Orpheus HE 90/ HEV 90 hat sein gesetztes Ziel, der beste Kopfhörer zu sein nicht verfehlt… Für viele Menschen ist er das übrigens noch bis heute und Preise in den spärlich auftauchenden Auktionen knacken oftmals locker die 30.000 Euro-Marke.

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Das lässt nun natürlich die Frage aufkommen, warum dann einen Orpheus 2? In meinen Augen gibt es darauf zwei recht einfache Antworten:

  1. Weil es einfach möglich ist und der deutsche Mittelstand mit seinen besten Ingenieuren wieder mal allen zeigen sollte, was in ihm steckt. (Mut zum Fortschitt!)
  2. Weil in den letzten fast 25 Jahren weder die Mitbewerber oder auch die der technische Fortschritt still stand.

Was früher von Vinyl und CD ablief, wird heute immer öfter durch High-Res-Audio von diversen Streaming-Diensten (mit lossless Audio), Super Audio CD’s usw. ersetzt. Klar hat das gute alte Vinyl bei vielen von euch noch seinen Platz. Denn wer gibt seinen geliebten Transrotor Plattenspieler mitsamt den mittlerweile sehr rar gewordenen guten Pressungen schon freiwillig her?

Doch spätestens die Generation Y entwickelt kaum noch einen Hang zur – entschuldigt das Wort – „Nostalgie“.

Mit dem Orpheus 2 hat Sennheiser es auf eine beeindruckende Weise geschafft alle High-End Welten und nahezu alle Vorzüge diverser technischer Komponenten zu vereinen – egal ob digital oder analog –.

Ein paar technische Fakten

So verheiratet der Orpheus 2 die besten Transistor- mit den besten Röhrenkomponenten in seinem Verstärkerdesign, welches in einem einmaligen, patentierten Zusammenspiel eine Wiedergabetreue verspricht, die seinesgleichen sucht. Um möglichst wenig Interferenzen und eine hohe Impulstreue zu erzeugen wurden die Verstärkerstufen übrigens direkt in die Ohrmuscheln integriert und Sennheiser spricht von einer 200% höheren Effizienz.

Doch kommen wir zum absoluten Glanzstück mit dem alles steht oder fällt – dem Wandler. Über goldbedampfte Keramikellektroden auf eine 2,4 Mikrometer dünne, platinbedampfte Membran übertragen, entfacht sich hier das ultra-präzise Audio-Feuerwerk. Mit einem weiteren Weltrekord kann sich Sennheiser hier nun schmücken, denn mit einem Klirrfaktor von nur 0,01 Prozent bei 100 dB ist es der geringste, der je bei einem Klangwiedergabesystem gemessen wurde.

Nachdem wir hier nun von reichlich Edelmetallen und Keramik im Kopfhörer selbst gehört haben, muss sich die Verstärkereinheit mit seinem ESS Sabre ES9018 D/A-Wandler-Chip sicherlich nicht verstecken. Auch hier kommen nur hochwertigste Materialien und Bauteile zum Zuge. Alle Kontrollelemente werden aus einem Stück Messing gefräst und soweit ich das beurteilen kann für ihre Beständigkeit eloxiert. Das Gehäuse selbst besteht aus hochfestem und schwerem Carrara-Marmor und sorgt somit für einen guten Stand und die notwendige Erschütterungsresistenz.

Für die Selektierten, aus dem Hause JJ stammenden ECC803-Vakuumröhren hat sich Sennheiser auch etwas Spezielles einfallen lassen, denn diese sind vollends durch Quarzkolben von der Umwelt und möglichen Interferenzen abgeschirmt.

In wieweit es Sennheiser geschafft hat aus all diesen Luxuriösen Materialien und technischen Zutaten ein perfekt zusammengestelltes Ensemble zu schaffen zeigt alleinig schon der Ein-/Ausschaltvorgang, den wir für euch auf Video eingefangen haben:

Höreindrücke

In punkto Höreindrücke muss ich vorab sagen, dass Camillo und ich selten so sehr gleicher Meinung waren, wie bei diesem Hörer. Um den Klang des Sennheiser Orpheus 2 zu beschreiben bedarf es eigentlich viel mehr als ein paar schnöden Wörtern auf meiner Tastatur. Ton/Audio muss man einfach hören und erleben. Und ich gehe mal davon aus, dass wenn jemand von euch mit dem Gedanken spielt 50.000 Euro für den Orpheus 2 auszugeben, wird vorher einmal selbst probe gehört. Klar gibt es gerade hier, ein gewisses Käuferklientel in den Oberen 1000en unserer Welt, die den Orpheus 2 einfach nur kaufen werden, weil es der beste Kopfhörer der Welt ist, aber für dieses Klientel schreibe ich hier in dem Moment nicht.

Nun habe ich schon etwas zu viel verraten. Aber ja, der Orpheus 2 ist der wohl beste Kopfhörer der Welt. Es passte einfach alles. Detailwiedergabe, Impulstreue, Räumlichkeit. Und für uns sind diese initial angesprochenen Finessen recht schwer in Worte zu fassen.

Am einfachsten ist unser Höreindruck bei Gitarrenmusik zu beschreiben. So haben wir beide bei Nils Lofgren Keith Don’t go so plastisch erlebt. Alles klang sehr mitreißend, lebendig und glasklar in den feinsten Details. Auch die Räumlichkeit ist mitsamt einer sehr guten Ortbarkeit wunderbar umgesetzt worden. Im Vergleich z.B. zum HD800 zieht der Orpheus 2 die Bühne nicht ganz so weit auseinander. Aber im initialen Eindruck gefällt mir die etwas komprimiertere Bühne sogar eine kleine Nuance besser.

Eine wirkliche Schwäche abgesehen vom vielleicht etwas zu hohen Gewicht (Daran wird aber noch gearbeitet!), leistet sich der Orpheus 2 nicht. Und ehrlich gesagt möchte ich mit detaillierten Höreindrücken weit in die Tiefe gehen dafür sind 2x ca. 30 Minuten für uns einfach doch etwas zu wenig. Etwaige tiefere Ausführungen findet ihr bei unseren Print-Kollegen.

Falls ihr spezifische Fragen an uns habt, versuchen wir diese so schnell wie möglich zu beantworten. Dementsprechend gerne in die Kommentare damit.

Fazit

Insgesamt finde ich den Slogan unter dem Sennheiser den Orpheus 2 gestellt hat sehr gelungen, denn „Reshaping-Excellence“ trifft es auf den Punkt. Denn man hat es bei Sennheiser wieder einmal geschafft, das Beste noch ein ganzes Stück besser zu machen. Auch hat man dabei die technische Entwicklung und die Kundenbedürfnisse nicht vergessen.

Somit hat Sennheiser die Messlatte für die Mitbewerber wieder einmal in eine Höhe gebracht, die es für die erst einmal zu erreichen gilt. Und wenn es bei dem Orpheus 1 runde 25 Jahre niemand geschafft hat…. Wir sind gespannt ob sich dieses Mal jemand traut.

Somit geht „Kopfhörer-Krone“ innerhalb der Sennheiser-Familie an die nächste Generation.

Ob nun 50.000 Euro für den weltbesten Kopfhörer preislich gerechtfertigt sind, mögen wir nicht beurteilen. Man kann nur hoffen, dass der technische Fortschritt, welcher durch Pionierarbeit geschaffen wurde, es irgendwann in eine Preisklasse schafft die 1-2 weniger nullen hat.

Es ist einfach schön zu sehen, dass sich ein Mittelstandsunternehmen in Zeiten von ausgedehnter Produktpiraterie und Industriespionage erneut getraut hat den weg vorwärts zu gehen. Wir drücken Sennheiser als absolut sympathisches und zugleich bodenständiges Unternehmen auf jeden Fall die Daumen.

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