Kurzportrait | Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg

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(c) zuguttenberg.de

„Er ist zivilisiert, er ist gebildet, er ist freundlich, er ist extrem untypisch für die CSU“. Im leichten Spott von Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Grünen, schwingt auch ein gutes Stück Anerkennung mit für Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg, seit Oktober 2009 Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland. Der fränkische Adlige entspricht so gar nicht dem Urbild des bayrischen Mannsbildes und ist einer der wenigen Feingeister in der deutschen Politik. Seit Monaten steht zu Guttenberg in der Beliebtheit bei den bundesdeutschen Wählern ganz oben.

Wenn es so etwas wie erbliche Vorbestimmung für eine Berufung gibt, ist KTG (so sein CSU-internes Kürzel) das beste Beispiel: Sein Geschlecht ist bis in das frühe 12. Jahrhundert im fränkischen Dorf Guttenberg bezeugt. Der Großvater gleichen Vornamens und ein Onkel engagierten sich in der Widerstandsbewegung des Dritten Reiches. Der Großvater war dann 1967 – 1969 unter Georg Kiesinger Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Der Vater des Ministers, der Dirigent Enoch Freiherr von und zu Guttenberg, trat 1992 aus der CSU aus, kehrte dann aber auf Einwirken seines Sohnes wieder zurück.

1971 in München geboren, legte Karl-Theodor zu Guttenberg 1991 in Rosenheim sein Abitur ab (übrigens am selben Gymnasium wie 30 Jahre zuvor Edmund Stoiber) und leistete danach seinen Wehrdienst bei den Gebirgsjägern in Mittenwald. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg ist Stabsunteroffizier der Reserve. Es folgte ein Studium der Rechts- und Politikwissenschaften in Bayreuth und München mit Prädikatsexamen und Promotion im Jahr 2007 (summa cum laude). Von 1994 bis 2004 war zu Guttenberg in verantwortlicher Position in der familieneigenen Beteiligungsgesellschaft tätig.

Karl-Theodor zu Guttenberg ist seit 2002 Kreisrat im Kreistag Kulmbach und direkt gewähltes Mitglied des Deutschen Bundestages. Was er auf Parkett im politischen Bonn hingelegt hat, kann als Blitzkarriere bezeichnet werden: 99 Tagen im Amt des Generalsekretärs der CSU folgten im Februar 2009 die Ernennung zum Bundesminister für Wirtschaft und Technologie und noch im gleichen Jahr der Wechsel in das Verteidigungsministerium.

Politischem Gegenwind, auch von Skeptikern aus den eigenen Reihen, hat Karl-Theodor zu Guttenberg bisher souverän getrotzt. Sein Eintreten für die Insolvenz von Opel und Quelle in seiner Zeit als Wirtschaftsminister werfen ihm einige Kritiker noch heute vor. Mit der Strukturreform der Bundeswehr hat zu Guttenberg derzeit seine größte Aufgabe zu stemmen. Selbst mehrstündige harte Attacken eines Untersuchungsausschusses lassen sein Lächeln nicht erstarren. Manche nennen es überheblich. Sein Vater hingegen attestiert ihm Demut als Charakterzug. Eine Eigenschaft, die sich manche Politiker von Karl-Theodor zu Guttenberg in Berlin abschauen sollten.

(Stand Januar 2011)

Weblinks

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7 comments

  1. Julius 22 Februar, 2011 at 11:34 Reply

    Zitat Stern.de:
    „Es gab seit jeher Zweifel an dem Mann. Zu glatt seine Auftritte, zu viel Gel im Haar, zu viel Posing, zu wenig Ernsthaftigkeit. Lief es nicht die ganze Zeit so? Als Wirtschaftsminister hat er bei der Debatte um die Opel-Subventionen seinen Rücktritt angeboten – und danach einfach weitergemacht. Den Luftangriff von Kundus nannte er erst angemessen, dann unangemessen. Den Kapitän der Gorch Fock nahm er in Schutz, dann feuerte er ihn. Die Wehrpflicht erklärte er für heilig, dann schaffte er sie ab. Sparen wollte er bei der Bundeswehr, jetzt heißt es, das sei unmöglich. Forsch voran, und forsch zurück. Hin und her. Doktor gehabt, Doktor weg.“
    Trifft genau meine Meinung.

  2. Camillo Pfeil 22 Februar, 2011 at 20:57 Reply

    Denke jeder hat schon mal Fehler gemacht, jeder hat shcon mal abgeschriebn oder sonstiges. NUr weil er in der Öffentlichkeit steht wird jetzt darüber hergezogen.

  3. Julius 23 Februar, 2011 at 23:01 Reply

    Haha, die ProGuttenberg Facebook Seite ist jawohl ein Witz. Das erste was ich gelesen habe:
    „Außerdem: Uni Bayreuth kommt der Bitte von zu Guttenberg nach und nimmt den Doktortitel zurück“
    So einen dummen Satz habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Natürlich gibt Guttenberg seinen Doktortitel vorher freiwillig ab, bevor er ihn aberkannt bekommt. (Mittlerweile hat er ihn ja offiziell aberkannt bekommen).
    Zu dem verwundert es mich nicht, dass er beim „Volk“ so gut an kommt. Ist halt mal nicht der typische Politiker und vertritt ein anderes Image. Auf jedenfall hat er das Potenzial Deutschland zu spalten!

    Diskussionen über ihn sind einfach müßig. Gibt Argumente gegen ihn und natürlich auch welche für ihn.
    So lange er nieeemals Bundeskanzler wird, bin ich aber glücklich. :-)

  4. Julius 23 Februar, 2011 at 23:04 Reply

    Ich muss noch was hinzufügen.
    Zitat ProGuttenberg: 87% JA-Stimmen beim BILD-Entscheid :-) Das Volk steht hinter zu Guttenberg!
    Der Vorteil unseres Politischen Systems ist, dass das Volk nicht direkt entscheidet. Dadurch werden plötzliche Stimmungsschwankungen nicht unmittelbar bemerkbar. Außerdem ist es glaube ich unwahrscheinlich, das der gemeine Bild Leser Politik korrekt bewerten kann und sich nicht von Meinungsmache beeinflussen lässt.

  5. Detlef Plaisier 27 Februar, 2011 at 22:10 Reply

    ‚Außerdem ist es glaube ich unwahrscheinlich, das der gemeine Bild Leser Politik korrekt bewerten kann und sich nicht von Meinungsmache beeinflussen lässt‘.

    Diese Auffasung beleidigt Tausende studierter Journalisten und Publizisten außerhalb des Springer-Konzerns, zu deren täglicher Lektüre die BILD gehört. Unbhängig von Meinungsmache und Meinungsmacht: Für Springer und bei BILD arbeiten die Journalisten mit der besten Ausbildung und Qualifikation.

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