Kurzportrait | Diane Kruger

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(c) Thore Siebrands

Manchmal fürchtet sie noch, aus dem Traum aufzuwachen und wieder das kleine Mädchen vom Lande aus Algermissen bei Hildesheim zu sein. Inzwischen sind die Kritiker verstummt, die ihr das Klischee der Schauspielerin aus Deutschland anhängen. Diane Kruger hat diesen Schatten seit dem genialen Handgriff von Wolfgang  Petersen, sie 2004 als Helena im Film ‚Troja‘ neben Brad Pitt zu besetzen, hinter sich gelassen. Sie ist ein Weltstar – und sagt ganz bescheiden von sich, sie sei Europäerin mit Frankreich als adoptierter Heimat.

Als kleines Mädchen in Niedersachsen träumte Diane (damals noch Heidkrüger) vom Blitzlichtgewitter auf dem roten Teppich. Sie durfte zur Ballettausbildung zum Royal Ballet in London, bis sie sich 1989 das Knie verletzte – ein Weltuntergang mit 13. Doch die Witterung war aufgenommen: Nun sollte es eine Model-Karriere in Paris sein. Mit einer entwaffnenden Mischung aus Selbstbewusstsein und der Schüchternheit vom Lande gewann Diane Heidkrüger mit 1992 den ‚Look-of-the-Year‘-Wettbewerb der Modelagentur Elite. Ihr Traum bekam Konturen: Ein deutsches Mädchen strahlte von den Titelseiten von Elle, Vogue und Cosmopolitan. Giorgio Armani buchte sie für „Acqua di Gio“. Als das Modeln zu langweilig wurde, weil die Trends sich wiederholten, erinnerte sich Diane Heidkrüger an ihr Idol Romy Schneider. Sie ging nach Paris, nahm zwei Jahre Schauspielunterricht und debütierte in einem Film, den sie heute lieber verschweigt.

Inzwischen weist die Filmografie von Diane Kruger viele Glanzpunkte auf, darunter 2004 die Rolle der Rolle der Abigail Chase in dem Abenteuerfilm ‚Das Vermächtnis der Tempelritter‘

(National Treasue) mit Nicolas Cage, und ‚Inglorious Basterds‘ von Regisseur Quentin Tarantino (2009) an der Seite von Brad Pitt, Christoph Waltz, Til Schweiger und Daniel Brühl. 2007 moderierte Diane Kruger die Auftaktgala und die Preisgala der Filmfestspiele in Cannes. 2008 gehörte sie der Jury der Berliner Filmfestspiele an. Da sie Englisch und Französisch fließend und akzentfrei spricht, synchronisiert Diane Kruger viele ihrer Filme selbst.

Und auch der Trophäenschrank füllt sich bei Diane Kruger: 2002 erhielt sie beim Filmfestival in Cannes den Chopard-Preis als ‚Weibliche Entdeckung des Jahres‘ und wurde für einen César nominiert. 2004 gab’s ein Bambi, 2010 aus den Händen von Karl Lagerfeld eine ‚Goldene Kamera‘. Ein Oscar ist noch nicht in Sicht – den hat Romy Schneider aber auch nie erhalten. Das ‚deutsche Gesicht Hollywoods‘ wartet noch auf einen Mythos, der sie unsterblich macht. So freuen wir uns zunächst weiter an den kleinen privaten Schwächen von Diane Kruger, die sie dann wieder zu unser aller  Mädchen vom Lande machen: Sie bügelt ihre Bettwäsche ganz klassisch auf dem Bügelbrett, kapituliert bei Autos mit Gangschaltung

und braucht bei der Ausgehgarderobe immer Beratung für den perfekten Auftritt. Ihre Pariser Freunde beklagen ihren Hang zur absoluten Pünktlichkeit. Bodenständig eben, wie die Niedersachsen sind.

(Stand Februar 2011)

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