Kritik | Knopf drücken anstatt Gaspedal treten: Need for Speed – The Run

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Review – Playstation3! Mit Hot Pursuit und Shift haben die Criterion und Slightly Mad Studios die Need for Speed-Serie wieder zurück in die Erfolgsspur gebracht, nachdem sie zuvor von EA Black Box mit dem eher enttäuschenden Undercover im wahrsten Sinne des Wortes an die Wand gefahren wurde. Ausgerechnet jetzt bekommen die damaligen Crahsdriver mit „The Run“ eine Chance auf Wiedergutmachung – doch wurde diese auch genutzt?

Kampagnen Modus: Nette Story, doch schwach umgesetzt!

Der Draufgänger Jack Rourke muss die Strecke zwischen San Francisco und New York, rund 3000 Meilen, im Eiltempo hinter sich bringen, wenn er als Sieger dieses illegalen Straßenrennens ein Preisgeld von 25 Millionen Dollar einsacken will. Dabei ist die Lage ernst, wie auch das atmosphärische Intro verdeutlicht: Das schöne Gefühl hinter dem Steuer eines Porsche Carrera 4S zu sitzen flacht schnell ab, wenn man mit beiden Händen ans Lenkrad gefesselt in einer Schrottpresse aufwacht und zusammen mit dem Sportwagen zerquetscht werden soll. In letzter Sekunde kann Jack der Todesfalle mittels Knopfgehämmer in einer interaktiven Filmsequenz mit kombiniertem Reaktionstest entkommen und das „packende“ Race beginnt.

Die meiste Zeit verbringt man als Jack Rourke wie gehabt hinter dem Lenkrad, auch wenn man dieses mangels fehlender Cockpitperspektive niemals zu Gesicht bekommt, auf den unterschiedlichsten Highways zwischen San Francisco und New York. Ebenso bescheiden wie bei der Auswahl der Perspektiven sieht es auch bei der Auswahl an fahrbaren Untersätzen aus. Der Fuhrpark wirkt, verglichen mit den Games wie Forza Motorsport oder Gran Turismo, mit nur rund 120 Fahrzeugen eher peinlich klein, aber hat dennoch einiges zu bieten: Die Auswahl an amerikanischen Muscle Cars, Renn- und Sportwagen und anderen Exoten umfasst einige extravagante und heiße Modelle wie beispielsweise den Ford Mustang Boxx 302, den Audi R8 oder den brandneuen McLaren MP4-12C. Aber auch Klassiker wie der Einser Golf GTI, ein M3 oder der Audi Quattro 20V haben den Weg in die virtuelle Garage gefunden.

Das Highlight von Need for Speed: The Run sind zweifelsohne die variantenreichen Streckenabschnitte: Sowohl die riesigen National Parks als auch die sandigen Straßen von Death Valley oder die hügeligen Straßen von San Francisco hinterlassen einen detailreichen Eindruck, der leider nicht von langer Dauer ist. Die Kehrseite der Medaille ist die eher unbefriedigende Spielzeit, von der man sich durchaus mehr erwartet hätte: Die rund 3000 Meilen zwischen San Francisco und New York klingen gewaltig und machen Vorfreude auf eine lange und vor allem packende Story, doch wenn man nach nur knappen drei Stunden reiner Spielzeit den Abspann zu Gesicht bekommt, ist man als Gamer ersichtlich enttäuscht.

Alles in Allem hätte die Reise quer durch die USA, ohne fließende Tageszeiten-Übergange und Wettersystem, viel umfangreicher ausfallen müssen. Der Kampagnen Modus erinnert eher an einen kurzen Rennspiel-Quickie.

Die zusätzliche Challenge: Der Multiplayer Modus

Der Multiplayer Modus von Need for Speed: The Run bietet unterschiedliche Playlists mit Bonusherausforderungen. Tritt ein neuer Gamer dem Spiel bei, kann er direkt mit einstigen und muss nicht erst in einer Lobby warten. Leider stehen lediglich vorgefertigte Listen zur Auswahl, bei denen die Strecken- sowie Autoauswahl bereits im Vorfeld festgelegt wurden. Als Anfänger muss man gezwungenermaßen in den ersten Duellen viel einstecken und hat aufgrund der unfairen Balance kaum eine Chance auf einen Sieg, da die ranghöheren Fahrer nicht nur in schnelleren Fahrzeugen sitzen, sondern auch die eine oder andere Fähigkeit besitzen, die immense Vorteile mit sich bringt.

Doch viel schlimmer als die unausgeglichene Gamebalance sind die mitunter heftigen Lags, die vereinzelten Abstürze innerhalb der Online-Rennen oder gar das komplette Einfrieren des Spiels vor und während der Zieleinfahrt. Es läuft also alles andere als rund auf den EA-Servern, doch eine Alternative in Form von Splittscreen-Duellen oder hauseigener LAN wird nicht geboten!

Fazit

Die Strecke von rund 3000 Meilen zwischen San Francisco und New York machen Lust auf ein packendes und Aktion geladenes Rennspiel, doch leider wurde ich für meinen Fall von Anfang an enttäuscht. Es scheint mittlerweile zu einem traurigen Trend zu werden, dass die Kampagnen von Videospielen immer kürzer werden, doch das man nach nicht mal drei Stunden Spielzeit den Abspann zu Gesicht bekommt, ist dann doch etwas daneben. Mit anderen Worten: Black Box schießt mit diesem Rennspiel-Quickie den Vogel ab!

Des Weiteren ist es schon fast traurig mit anzusehen, dass Black Box Annahmen darauf abzielen, dass der heutige Gamer alleine daheim vor seiner Flimmerkiste sitzt und nur noch Online gegen andere Spieler spielen möchte. Gerade die packenden Splitscreen-Duelle unter Freunden daheim auf der Couch machten das Spiel zu etwas ganz besonderem.

Wertung
3/10

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1 comment

  1. Diablo 20 März, 2012 at 21:01 Reply

    Die sache mit der kurzen Storyline scheint zumindest be EA ein Trend zu sein. Neben der bescheidenen Patch-Politik bin ich nun an dem Punkt angekommen, mir maximal noch den neusten Fifa-Teil von EA zu kaufen und sonst einen Bogen um den Publisher zu machen.

    Bioware oder Blizzard machen es deutlich besser. Leider decken sie nicht alle Genre ab.

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