Bowers & Wilkins P7 Kopfhörer

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Test: Bowers & Wilkins P7 Kopfhörer

In den letzten Wochen durfte ich mal wieder einen erstklassigen Kopfhörer testen, den Bowers & Wilkins P7. Alles begann im Jahre 2010, als der erste Kopfhörer der britischen Edelschmiede die Werkstore verlies. Der Bowers & Wilkins P5. Bis heute ein Topseller und der perfekte Einstieg in die audiophile Welt. Denn bis dahin war Bowers & Wilkins nur der besser verdienenden Gesellschaft vorbehalten, denn für ein Lautsprecherpaar legt man schnell mal eine gute fünfstellige Summe auf den Tisch.

Doch die traditionellen Werte und die hohe Qualität ließen sich auch mit dem neumodernen Lifestyle verbinden. Denn bisher stellte Bowers & Wilkins nur klassische Lautsprecher her. Doch seit jeher sind immer mehr Produkte wie die Wireless Lautsprecher und eben die Kopfhörer hinzugekommen und sind für ein erschwingliches Budget zu erwerben.

Mit dem P5 hatte Bowers & Wilkins damals bei mir punkten können. Denn britisches Understatement, klares industrielles Design sowie eine luxuriöse Materialauswahl und eine erstklassige Verarbeitung sprechen für sich. Und natürlich nicht zu vergessen, der Klang. Bowers & Wilkins hatte damit Maßstäbe im Bereich von 300 Euro gesetzt, denen die Konkurrenz lange Zeit hinterher rannte. Vergleichbar ist hier in meinen Augen aktuell nur der Sennheiser Momentum.

Bowers & Wilkins P7 Unboxing

Bowers & Wilkins P7 Unboxing

Doch kommen wir zurück zum Thema. 2012 folgte bei Bowers & Wilkins eine etwas sportlichere Version des P5, der Bowers & Wilkins P3, der mich ebenfalls im Test überzeugen konnte und mich unterwegs fast durchgängig begleitet. Ende 2013 hat die P-Reihe nun ein weiteres Mitglied bekommen, den P7.

Von Außen ist seine Zugehörigkeit direkt zu erkennen, greift er doch die Designelemente des P5 und P3 wieder auf. Der geschwungene Bügel und die ovalen Ohrmuscheln identifizieren ihn sofort. Allerdings ist er, im Vergleich zu den anderen beiden, ein Over-Ear-Kopfhörer. Heißt also, er schließt das Ohr komplett ein und liegt am Kopf auf und nicht am Ohr. Dadurch ist er in seinen Abmessungen deutlich gewachsen und auch an Gewicht hat er knapp 100g zugelegt.

Bowers & Wilkins P7 Seitenansicht

Dies machte sich auch bei mir im Tragekomfort bemerkbar. Denn das zusätzliche Gewicht am Kopf merkt man schon, wenngleich der Kopfhörer sehr angenehm zu tragen ist. Die Ohrpolster sowie das Kopfband sind extrem soft gepolstert und mit sehr weichem Leder, wie wir es schon vom P5 kennen, überzogen. Purer Wellness für die Ohren. Allerdings muss ich für mich persönlich sagen, dass mir der Anpressdruck etwas zu stark ist. Je öfter man ihn trägt gibt die Spannung natürlich mit der Zeit auch ein wenig nach. Vom Wohlfühlfaktor würde ich insgesamt die P5 vorziehen. Dies liegt aber tatsächlich am persönlichen Empfinden, der Kopfform und der Ohrgröße. Viele Faktoren spielen gerade in den Tragekomfort mit hinein, die man wirklich nur in der Praxis ausprobieren kann. Und ich bin halt eher der On-Ear-Typ.

Aber nun weiter im Text. Beim P7 sind nicht nur die Abmessungen des Kopfhörers gewachsen sondern auch das Kabel. Dies ist im Vergleich zum P5 mindestens doppelt so dick und besitzt am Ende eine massive Klinke mit einem Knickschutz aus Metall. Wobei die andere Variante des P5 auch sehr robust ist. Und zum Glück kann man ja die Komponenten sehr schnell tauschen, denn auch beim P7 sind die Ohrpolster magnetisch abnehmbar und somit auch tauschbar ebenso wie das einseitig geführte Kabel. Dies ist im Lieferumfang in zwei Ausführungen enthalten. Einmal mit der iPhone Fernbedienung und einmal ohne. Weiterhin im Lieferumfang ist noch ein 6,3mm Klinke Adapter sowie eine hochwertige Schutztasche für den Transport.

Bowers & Wilkins P7 Gesamtansicht

Die Kabelfernbedienung wurde ebenfalls optimiert und die Druckpunkte der Tasten sind besser. Gerade jetzt in der Kälte bei frostigen Fingern lässt sich die Fernbedienung noch sehr gut drücken.

Doch nun zum Soundtest. Während P3 und P5 vom Sound recht nah beieinander lagen, unterscheidet sich der P7 hier deutlich. Viele hatten dies beim P5 auch bemängelt, dass er eben zu stark gesoundet ist und damit nicht „perfekt“ den Frequenzbang wiedergibt. Aber schaut man sich einfach mal die Hörgewohnheiten an, so wird man feststellen, dass die Meisten halt eben einen wärmeren Klang mit angehobenen Tiefen und Höhen mögen bzw. bevorzugen. Ein sehr neutraler Kopfhörer hört sich für viele zu klinisch und unnatürlich an, da es eben nicht ihren bzw. den Hörgewohnheiten der breiten Masse entspricht. Und so kann man dies dem P5 nicht wirklich negativ attestieren. Denn auch ich will und kann mich hiervon nicht ausschließen.

Bowers & Wilkins P7 Lifestyle Bild

Doch nun zurück zum P7. Habe ich vorher gesagt, dass ein Kopfhörer sehr detailreich klingt muss ich dies nochmal überhören, denn der P7 toppt dies noch einmal und begeistert mit einer faszinierenden Detailauflösung. Allerdings merkt man beim P7 auch schnell, dass er noch stärker in die audiophile Richtung geht, denn am iPhone mit normalen MP3s hört man deutlich deren schlechte komprimierte Qualität an. Ein Vergleich zu unkomprimierten Musikdateien klingt dagegen wie Geburtstag, Ostern und Weihnachten zusammen. Erst hier entfaltet der P7 sein volles klangliches Potential. Auch wenn er als iPhone Kopfhörer in dem Sinne beworben wird, wird derjenige, der Spotify streamt oder 128er MP3s hört nicht glücklich werden. Denn den Unterschied hört man deutlich, da der P7 einfach wesentlich detailreicher, aber auch klarer in seinem Frequenzgang ist. Er ist weniger gesoundet als der P3 und P5 und vermittelt dadurch eine wesentlich natürlichere und fokussiertere Wiedergabe. Ich habe gerade noch ein Jazz Konzert mit dem P7 gehört und das macht wirklich Freude, weil man jedes Instrument in seinem vollen Umfang wahrnimmt und wesentlich stärker in die Intention des Künstlers eindringt.

Bowers & Wilkins P7 Lifestyle Bild

Dies muss einem bei dem P7 bewusst sein. Er spricht klanglich doch eine ganz andere Zielgruppe an als P3 und P5. Und eben auch die Voraussetzungen sind hier essentiell. Mit dem P5 kann man auch wunderbar einen Spotify Stream hören, mit dem P7 macht das tatsächlich so keinen richtigen Spaß mehr. Das soll nicht abwertend sein, sondern ist einfach nur der guten klanglichen Performance geschuldet. Und hier muss jeder ganz klar seine Bedürfnisse kennen.

Kurzfazit

Erstklassiger Kopfhörer mit einer klaren Kaufempfehlung.

Langfazit

Ich habe mich verliebt. Aber es ist eine schwierige Beziehung. Der P7 ist ein tadelloser Kopfhörer, ohne Frage. Materialauswahl, Verarbeitung, Klang und Design erfüllen höchste Ansprüche. Der P7 ist ein Meisterstück. Aber er will eben auch wie eines behandelt werden und fordert gutes Quellmaterial. Unkomprimierte Musik mag er am liebsten, denn hier kann er sein volles Potential ausschöpfen. Bei billigen MP3s kann er dies natürlich auch, nur eben hört man die Komprimierung raus. Und hier komme ich ins spiel. Ich bin nicht billig, aber ich höre unterwegs nun mal gerne mit Spotify und hier nehme ich dann lieber den P5 mit. Aber an den jetzt eisigen Wintertagen verziehe ich mich mit dem P7 gerne mal aufs Sofa zurück, mit einer gemütlichen Kuscheldecke, einem Glas Rotwein und dazu ein wenig Jazz Musik (natürlich unkomprimiert). Dazu noch ein gutes Buch oder einfach nur träumen und den Alltag vergessen.

Text: IMAEDIA

Bilder: LonGaah Photography

Model: Sarah

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2 comments

  1. Ulrich Beckmann 11 April, 2014 at 01:17 Reply

    Unsinn, das mit Spotify!
    Gerade für Spotify sehr gut geeignet, wenn man denn sich noch das monatl. Abbo von 10€ leisten kann: Spotify auf höchste Qualität einstellen, Spotify streamt dann mit 320Kb/sec., macht m.W. kein anderer Anbieter, itunes geht nur max. bis 256! Habe selbst P3/P5/P7, letzterer ist echt ne Offenbarung! Unglaubliche Klangkultur mit Spotify & iPod Touch 5G …

  2. Rewow 9 April, 2015 at 19:22 Reply

    Spotify ist nicht mehr die erste Anlaufstelle! Deezer bietet das selbe Paket an Musik (sogar Universal) und erlaubt losless Streaming in CDQualität. Preislich tun sich beide auch nichts. Ich habe seit einiger Zeit Spotify in Betrieb, aber überlege doch sehr nicht zu wechseln.

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