Beyerdynamic DT 880 im Test – Detailgenauigkeit vs. Loudness

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AKG 701, Sennheiser HD 650 und der Beyerdynamic DT 880 sind das infernale Trio wenn es um qualitativ hochwertige Kopfhörer geht. Alle Drei liegen im Preissegment von 300 Euro. Jedoch spielt jeder für sich in einer Klangdimension. Vor einigen Wochen haben wir bereits für Euch den Sennheiser HD 650 genauer unter die Lupe bzw. Ohren genommen. Der Sennheiser zeichnete sich vor allem durch einen sehr starken Tief- und Mitteltonbereich sowie einem hohen Dynamikumfang aus.

Heute möchten wir Euch den Beyerdynamic DT 880 genauer vorstellen und die Differenzen zum Sennheiser HD 650 aufzeigen. Für Mitte März ist dann ein abschließender Vergleich mit dem AKG 701, sowie eine Gesamtauswertung, geplant.

Doch kommen wir nun zum Test
Der Beyerdynmaic DT 880 ist ein halboffener Kopfhörer. Er ist komplett Made in Germany und wird hier sogar in Handarbeit gefertigt. Sennheiser setzt hier auf Outsourcing in Irland.

Wer sich für einen DT 880 entscheiden sollte kann sich zudem auf der Byerdynamic Homepage sein individuelles Modell gestalten.

First Look
Der DT 880 kommt in einer schwarzen Kunstledertasche mit ausgekleidetem Schaumstoff daher. Der Kopfhörer wirkt im Vergleich zum Sennheiser etwas femininer und nicht ganz so Dominant. Diesen Eindruck unterstreichen vor allem die kreisrunden Ohrmuscheln. Des Weiteren fällt beim DT 880 das fest installierte und einseitig geführte Anschlusskabel auf, welches zudem nicht streckbar ist. Diesem Kriterium messe ich jedoch keinen großen Einfluss bei.

Tragekomfort
Beim Tragekomfort kann der Beyerdynamic mächtig aufholen. Die Ohrpolster sind wesentlich weicher und der Anpressdruck auf die Ohren sehr gering. Vor allem für mich als Brillenträger ist diese Eigenschaft von sehr großem Vorteil, da die Ohrmuscheln nicht so stark auf das Brillengestell drücken bzw. das weichere Polster dieses besser umhüllt. Der Wohlfühlfaktor beim DT 880 ist wesentlich höher und über mehrere Stunden hinweg ist der Kopfhörer fast unspürbar.

Wer sich jedoch gerne selber feiert, den Kopf schüttelt und während des Hörens abgehen möchte, der ist mit dem Sennheiser besser beraten. Dieser sitzt wesentlich fester am Kopf und macht so gut wie jede Bewegung mit.

Jeder sollte dieses Merkmal anhand seiner eigenen Präferenzen abwägen. Bei längerem Hören sollte jedoch auch immer der Wohlfühlfaktor ins Kalkül mit einbezogen werden.

Klang
Das wohl entschiedenste Merkmal bzw. der Nutzen eines Kopfhörers ist mit Abstand der Klang. Mit ihm steht und fällt jede vorherige Überlegung.

„Aloe Blacc – I Need A Dollar“ war das erste Lied, was ich mit dem DT 880 abgespielt hatte. Zuvor hatte ich das Lied schon unzählige Male durch den Sennheiser gehört, sodass ich ein gutes Referenzbild im Kopf hatte.

Das erste was mir auffiel war: Der Beyerdynamic ist ganz schön scharf. Soll heißen, er hat eine unglaubliche Detailschärfe im Klangbild. Instrumente sind wesentlich besser zu identifizieren und separieren als beim HD 650. Der gesamte Klangbereich wird in einer Detailliertheit dargestellt, wie Sie der Sennheiser nicht besessen hat.

Zunächst wirkt diese Detailgenauigkeit beängstigend und ehrfurchtsvoll, denn jede Note und Intention werden Messerscharf an den Hörer weiter gereicht. Bei längerem Hören stellt sich dieser zunächst erdachte Vorteil aber auch als ein leichter Störfaktor dar, denn die Scharfzeichnung der einzelnen Klänge wirkt manchmal schon etwas zu übertrieben. Auch zeigt sich diese Detailtreue in einem sehr hellen Klang der zuweilen Dominant wirkt.

Der Fokus auf die Detailtreue wirkt sich auch im Mittel- und vor allem Tieftonbereich aus, welcher nur sehr dezent daher kommt. Jedoch ist das der Kompromiss, den Beyerdynamic hier treffen musste. Sie haben sich für mehr Details und weniger Loudness entschieden. Der Sennheiser agiert hier genau umkehrt.

Doch gerade die Mitten und Tiefen und die Dynamik machen einen Sänger erst lebendig und lassen ihn um Leben erwecken, so zumindest meine Meinung. Dies fehlt beim Beyerdynamic leider etwas.

Fazit
Schlussendlich muss man bei der Wahl des Kopfhörers auf die eigenen Präferenzen und Wünsche achten. Vor allem auf den jeweiligen Musikgeschmack kommt es an. Ein Kopfhörer kann halt nicht alle Klangnuancen beinhalten, sowie eine Luxuslimousine nicht gleichzeitig ein Off-Road-Jeep sein kann.

Der Byerdynamic eignet sich wunderbar für klassische und ruhige Musik, aber auch für Pop, Jazz und Rock. Wer allerdings auf etwas mehr Bass steht und wem die lineare und detailgetreue Wiedergabe jedes einzelnen Instrumentes nicht so wichtig ist, der ist sicherlich mit dem HD 650 von Sennheiser besser beraten. Im professionellen Einsatz ist der DT 880 von Beyerdynamic aufgrund seiner immensen Detailgenauigkeit ein sehr guter Monitor-Kopfhörer.

Einen klaren Gewinner kann man bei solch einem Test nicht ermitteln. Wer die Möglichkeit hat, sollte einfach mal in den Elektromarkt seines Vertrauen gehen und selbst Probehören.

Weblinks

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