Distronic Plus in der Mercedes-Benz E-Klasse (+Video)

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Vor ein paar Tagen hatte ich die Möglichkeit das Distronic Plus System von Mercedes-Benz, in meinem Fall in einer E-Klasse, zu testen. Das System ist eine Kombination aus Tempomat und Abstandshalter, was ein fließendes Mitschwimmen im Verkehr erlaubt ohne selbst viel eingreifen zu müssen. Doch einmal die Funktionen im Detail. (Wer nicht lesen mag: Video am Ende des Beitrags)

Kurz erklärt
Im Fahrzeug selbst ist vorne ist ein Sensor verbaut, der ständig die Umgebung nach vorrausfahrenden Fahrzeugen abtastet. Bereits 150m vorher erkennt das System ein vorausfahrendes Fahrzeug und berechnet aus der sich nähernden Geschwindigkeit die Geschwindigkeit des Vorrausfahrenden Fahrzeuges.

Hat man die Distronic Plus nun auf eine Geschwindigkeit eingestellt, hält das Fahrzeug diese solange, bis er auf ein anderes Fahrzeug aufläuft. Dann greift das System ein und regelt die Geschwindigkeit herunter und schließt bis auf einen Mindestabstand auf das vorrausfahrende Fahrzeug auf. Den Mindestabstand kann man hier noch variieren und auf rund ¼ vom gefahrenen Tachowert reduzieren. Beschleunigt nun das vorrausfahrende Fahrzeug, so beschleunigt auch das eigene Fahrzeug wieder bis maximal auf die im Tempomat eingestellte Geschwindigkeit. Ebenso geschieht dies beim ausweichen auf die Überholspur.

Wo macht’s Sinn
Besonders angenehm ist diese Funktion in Stausituationen oder im Stadtverkehr. Ständiges Beschleunigen und Bremsen nerven auf die Dauer, doch mit diesem System kann man auch im Stau entspannen, denn das Fahrzeug fährt mehr oder weniger alleine dem Vordermann hinterher, ohne dass man selbst eingreifen muss. Zunächst verlangte dies etwas vertrauen, sich blind auf das System zu verlassen, doch im Endeffekt hat es super funktioniert. Was mich ein wenig gestört hat ist der etwas unsanfte Bremsvorgang. Trotzdem ein anderes Fahrzeug schon recht früh erkannt wird bremst das System erst recht spät und etwas abrupt. Des Weiteren ist der Beschleunigungsvorgang etwas zäh und tritt erst zeitersetzt ein. Hat man die ECO Taste eingeschaltet gestaltet sich der Beschleunigungsvorgang noch etwas zurückhaltender, da die Gänge schon sehr früh geschaltet werden.

Der „große“ Sicherheitsabstand
Auf der Autobahn bin ich geteilter Meinung. Zum Mitschwimmen ist es sehr gut, doch zum dynamischen Fahren eignet es sich eher weniger. Besonders durch den großen Sicherheitsabstand, der einem sehr riesig vorkommt als man ihn normalerweise selbst einhält, ist man gezwungen schon früh auf die linke Spur zu wechseln. So kam es auch öfter vor, dass andere Verkehrsteilnehmer in meinen Sicherheitsabstand gefahren sind, was nicht nur nervig war, sondern in diesem Moment auch das Eingreifen des Menschen erfordert. Wenn ein anderes Auto also nur rund 5m vor einem einschert beginnt das Auto wild zu piepen reagiert aber nicht mehr selbst. Hier ist dann schnelles Bremsen und ein stets einsatzbereiter Fuß gefragt.

Mensch und Technik
Schrecksekunden im leben eines Autotesters, die mich dann doch wieder zu der Einsicht gebracht haben, dass die Technik doch nicht alle Situationen beherrschen kann, sondern sie nur erleichtert. Der Mensch sollte stets Herr über die Maschine sein, da er Gefahrensituationen früher erkennen und darauf reagieren kann. So kann ich noch weitere Fälle aufzählen, in denen das System bestimmte Situationen nicht erkennt. Bspw. würde es rechts überholen, auch wenn links ein Fahrzeug wäre. Auch wenn jemand bei „Kirschgrün“ über die Ampel fährt würde das System blind hinterher fahren. Genauso wie wenn jemand kurz vor einem abbiegt und plötzlich die Fahrt verlangsamt, erkennt das System dieses erst im letzten Moment, wo der Menschen schon das Blinken des vorrausfahrenden Fahrzeuges 100m vorher erkennt und sich so auf die kommende Situation einstellen kann.

Fazit
Im Gesamten ist die Distronic Plus aber ein hilfreiches Gadget, was vor Allem in nervigen Situationen mit Stop-and-Go Verkehr einem die Arbeit abnimmt. Man sollte nur einfach nicht sorglos solch eine Technik nutzen sondern sie mit Verstand einsetzten. Wie die Zukunft solcher Systeme aussieht zeigt Mercedes-Benz bereits eindrucksvoll mit der Weiterentwicklung 6D-Vision, die bereits vorab mit mehreren Kameras die Umgebung abscannt und mithilfe von Vektoren Bewegungen von bspw. Passanten oder Radfahrern erkennt und hiermit dem menschlichen Sehfeld weit überlegen ist.

Weitere Funktionen
Ein kurzer Hinweis noch zu einer weiteren Funktion des Tempomaten. Man kann hier auch eine Limiter Funktion aktivieren und eine Maximalgeschwindigkeit von bspw. 100km/h vorgeben. Nun kann man das Gaspedal durchtreten, erreicht aber maximal diese 100km/h. Das eignet sich besonders gut, wenn man auf den Abstandswarner verzichten möchte, aber dennoch eine bestimmte Geschwindigkeit nicht überschreiten möchte. Denn dies passiert nicht allzu selten, denn man schaut ja nicht die ganze Zeit auf das Tachometer. Möchte man mal schnell überholen hebelt den Limiter aber ein Kick Down aufs Pedal aus. Finde ich auch wichtig, es kann ja auch mal eine Gefahrensituation bestehen, in der man schnell beschleunigen muss. Und würde hier der Limiter starr blockieren wäre das doch ein nicht unerhebliches Risiko.

Zu guter Letzt noch ein Video von mir direkt aus dem Fahrzeug, bei dem ich noch einmal alle Funktionen während der Fahrt aufzeige.

Beispielvideo zum Einsatzbereich von 6D-Vision.

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