Kritik | Der ganz große Traum – mit Daniel Brühl, Burghart Klaussner, Justus von Dohányi, Kathrin von Steinburg, Alex Prahl, Thomas Thieme

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Konrad Koch wird 1874 am Braunschweiger Martino- Katharineum als Englischlehrer eingestellt. Er erkennt schnell, dass er mit herkömmlichen Mitteln nicht weiterkommt, wenn er die Aufmerksamkeit seiner Schüler wecken will. Bei einem längeren England-Aufenthalt hatte Koch neben der Sprache auch das in Deutschland noch unbekannte Fußballspiel kennengelernt. Die neue Sportart soll der Schlüssel zu Herz und Verstand seiner Elf werden. Er hat Erfolg, erregt damit aber den Ärger der preußisch gesinnten Lehrerschaft und einflussreicher Eltern. Jetzt müssen die Schüler um Konrad Koch kämpfen, wenn er weiter ihr Lehrer bleiben soll.

Imedia.de meint
Der ganz große Traum, wie sich schon am Namen ableiten lässt, ein sehr idealistischer Film. Lehrer Koch war für drei Jahre in England und soll nun in einem Pilotprojekt Englisch an dem Braunschweiger Martino- Katharineum lehren. Doch Lehrer Koch ist dem reichen Pöbel von der ersten Sekunde an unsympathisch. Koch habe nicht im Krieg gedient und sei stattdessen feige zum Feind nach England geflohen, den man ja eigentlich noch erobern möchte. Zudem stoßen auch Kochs Lernmethoden auf Kritik. Um der Klasse Englisch zu lehren bringt er ihnen Fußball bei, was er aus England mitgebracht hat. Seine Lernmethode zeigt auch Wirkung und die Klasse formt sich nach und nach zu einem richtigen Team. Der Zusammenhalt wird gestärkt und der ehemalige Kassenführer verliert seine Stellung in der Klasse. Zudem wurde auch der Junge der Arbeiterklasse mit ins Team intergiert, der zuvor immer gemobbt wurde. Koch will seine Schüler fernab von dem „bloody german Gehorsam“ Eigenverantwortung und Selbstvertrauen lehren. Die Schüler sollen selbst ihre Talente entdecken und nicht in die Schuhe ihrer Eltern gezwungen werden.

Dennoch wird vom Pöbel der Fußball als barbarisch angesehen. Er vermittelt weder Zucht noch Ordnung und ist damit zu verbieten. Ein ständiger Streit von Koch und dem vorsitzenden des Fördervereins führt schließlich dazu, dass der Fußball letzten Endes verboten wird. Doch als eine befreundete Mannschaft von Koch aus England eintrifft bringt auch das Verbot nichts mehr und die Schlacht gegen England wird ausgetragen, jedoch nicht auf dem Schlachtfeld sondern auf dem Fußballfeld. Die Menge war begeistert und der Verbot für den Bezirk Braunschweig aufgehoben. 1875 wurde dann der erste Fußballverein gegründet und der Sport verbreitete sich im ganzen Königreich. Dennoch gab es in vielen Bezirken noch Verbote. So wurde der Fußball beispielsweise in Berlin erst 1927 zugelassen.

Tatsächlich basiert die Erzählung auch auf einer etwas abgewandelten wahren Geschichte. Der Braunschweiger Gymnasialprofessor Dr. Konrad Koch (1846-1911) gehörte zweifellos zu den Pionieren des Turnens und des Sports im ausgehenden 19. Jahrhundert. Braunschweig und besonders dem Gymnasium Martino-Katharineum, an dem Koch über vierzig Jahre wirkte, kommt in der Spielbewegung eine besondere Stellung zu. Von hier aus erhielten die Jugend- und Volksspiele dank der Initiative Konrad Kochs ihre ersten Impulse. Koch, der 1874 das Fußballspiel einführte, 1875 die ersten Fußballregeln vorgelegte und den ersten Schüler-Fußballverein in Deutschland gegründet hat, wird in erster Linie mit der Einführung des Fußballspiels in Zusammenhang gebracht. Seine Bedeutung geht aber weit darüber hinaus.

Auch die Besetzung des Films ist sehr gut gewählt und zeigt viele Facetten. Auch wenn ich mir Milchbubi Daniel Brühl zunächst nicht in der Rolle des Lehrers vorstellen konnte, so passt die Auswahl doch recht gut.

Fazit
Der Traum vom Glück ist ein gelungener Film mit einer tiefgründigen Geschichte. Er zeigt Dinge, die für uns heute selbstverständlich sind, aber damals eine echte Revolution waren. Von uns gibt es eine Empfehlung für diesen Film.

Wertung
8/10

Der ganz große Traum ab 19. August 2011 auf DVD und Blu-ray!

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