Meine Eindrücke von der gfu Insights & Trends zum Leitthema Smart TV

Nun melde ich mich zurück mit einigen Neuigkeiten. In den vergangenen Tage habe ich zwei Veranstaltung im Rahmen der kommenden IFA besucht, auf der zum einen neue Trends vorgestellt wurden „gfu Insights & Trends“, aber auch verschiedene Hersteller ihre neuen Produkte präsentiert haben „IFA Innovations Media Briefing“.

gfu Insights & Trends
Dies war die erste Veranstaltung, in der die kommenden Trends beleuchtet werden sollten. Als Thema wurde hier Smart TV gewählt bzw. “Die Zukunft des Fernsehens ist smart”, ein Thema, das meines Erachtens eher schon ein alter Schuh ist und auf dieser Veranstaltung etwas gepusht wurde. Denn bereits vor drei bis vier Jahren wurden Apps für den Fernseher präsentiert. Doch bisher haben diese sich nicht wirklich durchgesetzt und erfahren mit dieser Veranstaltung wieder einen Anschub.

Insgesamt war die Veranstaltung mehr heiße Luft, als wirklich etwas Konkretes und Greifbares. So waren auch die Daten die vorgestellt wurden sehr inkonsistent. Es hieß in einer Präsentation 70% würde bereits Smart TV nutzen, sofern es das Gerät natürlich besitzt und die nächste Präsentation sagte dann etwas von 13%, was in meinen Augen auch viel realistischer erscheint.

Daneben muss man auch weiter an der Qualität der Studie zweifeln. Denn bei den befragten Nutzern sagten, ich glaube um die 70%, dass Smart-TV für sie heißt, dass man den Fernseher mit dem Internet verbinden kann. Und wenn im Umkehrschluss nun die 70% auch diejenigen sind, die angegeben haben Smart TV zu nutzen, heißt dies für mich nur, dass sie ihren Fernseher mit dem Netzwerk verbunden haben. Insgesamt also sehr schwammige Angaben.

Des Weiteren wurde auch nie gesagt, was für Anwendungen wirklich veröffentlicht werden sollen. So hieß es bspw. „interessante Anwendungen“. Aber vielmehr klang es so, als würde man schauen was der User letzten Endes nutzt und dies dann als Revolution verkauft. Als Zugpferd für die Anwendungen wurden vor Allem der Zugriff auf Mediatheken genannt, die man bereits aus dem Web von ARD, ZDF oder auch den Privaten RTL, VOX oder PRO SIEBEN kennt

Auch in der anschließenden Diskussionsrunde wurde nicht eindeutig klar, wo es hingehen soll, denn zwischen Programanbietern wie RTL oder ZDF und Smart TV Content Anbietern gibt es Probleme. So sagte die ZDF Seite klar „Das Programm gehört uns“ und der RTL Mensch beschrieb die Content Anbieter als „Parasiten“. Somit ist diese Position also schon festgefahren. Jedoch haben sie irgendwo Recht, denn das Fernsehprogramm ist das, was die Leute anlockt und nicht das Smart TV. Somit wäre RTL quasi Rattenfänger und andere Anbieter ziehen daraus ihren Nutzen.

Zusätzlich wurde die Regulierung als kritisches Problem gesehen. Denn das Internet ist weit weniger reguliert als das Fernsehprogramm. Um allen also Gerecht zu werden müsse die Regulierung für das Internetangebot auf dem Fernseher also genauso reglementiert werden, wie das des Fernsehens. Auf einer Präsentation eines Herstellers zeigte sich auch das Problem. So kann ich über die ARD Mediathek bspw. den Tatort erst ab 20 Uhr anschauen, während ich aber den Tatort über die normale Onlinemediathek zu jeder Zeit anschauen kann.

Im Gespräch war zudem auch die Nutzung von bspw. Social Media auf dem Fernseher. Aber ganz ehrlich. Dazu nutze ich lieber mein Tablet oder Laptop auf dem Schoß, um meine Eingaben zu tätigen. Nicht nur, dass mir die Distanz zum Fernseher zu groß ist, auch die Eingabe über die Fernbedienung ist mir zu stressig. Auch wenn Philips bspw. seine Fernbedienung mit kompletter QWERTZ-Tastatur präsentiert hat, so ist die Eingabe über Diese immer noch mühseliger als am Laptop. Zudem blockierte der ZDF Mensch auch gleich wieder und sagte, dass man solch eine Funktion nur dulden werde, wenn man sie selber für bestimmte Sendungen freischaltet, aber nicht einfach pauschal.

Oft wurde dieser Second Screen auch angesprochen, der durch zusätzliche Inhalte vom Fernseher bereichert werden soll. Aber ob das wirklich nötig ist und Sinn macht ist die zweite Frage. Denn die Diskussion über Tatort oder das Fernsehprogramm findet auch schon so statt, ohne das es direkt vom Smart TV möglich ist.

Zudem zeigte sich von Entwicklerseite auch ein Problem. Das aktuell integrierte HBB TV basiere nicht auf HTML 5, sondern auf einem veralteten Standard, der keinen Kopierschutz für geschützte Inhalte bietet. Auch zeigte sich die oben genannte Rivalität zwischen Programm und Parasit, die in Zukunft noch für sehr viel Zündstoff sorgen wird.

Smart TV wird sicherlich immer mehr kommen und die Entwicklung wird ständig voran gehen, doch wird es sich hierbei eher um eigenständige Anwendungen handeln, die nicht während des laufenden Programmes eingeblendet werden, sondern einzeln gestartet werden.

Wo ich aktuell noch etwas Probleme sehe ist in der Kompatibilität zwischen den einzelnen Geräten und Herstellern. LG, Philips und Toshiba sind in dieser Hinsicht schon in eine gemeinsame Smart TV Alliance eingetreten und entwickeln dieses System zusammen, aber andere Hersteller wie Panasonic oder Samsung entwickeln ihre eigene Lösung.

Zudem gibt es kein wirkliches Erlösmodell für einzelne Anwendungen oder ein Payment System. Fragen hierzu wurden mal gekonnt umgangen oder mit einem Schulterzucken beantwortet. Von daher sieht man also, dass es entweder kein richtiges Konzept gibt oder es einfach uninteressant ist.

Ich werde das Thema auf jeden Fall weiter beobachten und in einem kommenden Beitrag zur anderen Veranstaltung IFA Innovations Media Briefing noch etwas zu den derzeitigen Entwicklungen der Hersteller sagen. Denn die Hersteller haben sich natürlich in ihren Präsentation auch primär auf das Leitthema bezogen und ihre Vision des Smart TVs vorgestellt.

Ich denke aber erst wenn Apple seinen Fernseher vorstellen wird, wird noch etwas mehr Bewegung und eine klare Struktur in die Entwicklung kommen.

© Foto 2,3: gfu Insights & Trends

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